Apr 232016
 

slims_logoLange ist hier nicht mehr geschehen, aber da ich gestern eine Mail zu einem uralten Beitrag von 2009 erhielt, dachte ich, ich gucke nochmal, was aus SLiMS geworden ist. Seit dem letzten Beitrag „Bibliothekssoftware Senayan 5 Meranti testen“ wurden immerhin drei Versionsprünge gemacht. Ich denke, für OPLs & Co ist das immer noch eine interessante Lösung. Wobei, es gibt sogar mittlerweile eine Union Catalogue-Komponente.

Die offizielle Webseite (mit „out-of-the-box“-lauffähiger Version): slims.web.id
Das offizielle Github-Repository: github.com/slims/slims8_akasia

Die oben erwähnte Mail war übrigens von Herrn Laufer von der Volkssternwarte Würzburg e.V. Er hat einen eigenen Opac entwickelt, der hier online ist: Bibliothek der Volkssternwarte Würzburg: Online-Katalog. Visuell erinnert er stark an Pica. Ob der Quellcode frei ist, weiß ich nicht.

Mrz 252012
 

Über Senanyan Library Automation SystemSlims (SLiMS) hab ich schon ein paar Mal berichtet; auch weil ich u.a. an der Unterstützung für mehrere Sprachen mitgearbeitet habe. Lange habe ich es selber aus den Augen verloren, auch weil die mir bekannte offizielle Seite nicht aktualisiert zu werden scheint. Aber es wird fleissig weiterentwickelt, man muss jedoch auf github gucken (z.B. beim Entwickler Purwoko).

Wie auch immer und um es kurz zu machen. Ich habe unter slims.verweisungsform.de eine Deutsche Version aufgesetzt, die gerne getestet werden kann. Um sich als admin anzumelden einfach admin/admin eingeben. Für diese Version habe ich heute die deutsche Sprachdatei aktualisiert. Und um es noch etwas bequemer zu machen, habe ich für alle Interessierten ein Paket gepackt, dass gleich alles auf Deutsch installiert (gibt es nur hier ;):   Senayan SLiMS 5 Meranti – (Deutsche als Installationsstandard).zip. Da das ganze Open Source ist, kann man auch beliebige Änderungen vornehmen.

Installation ist toteinfach:

  1. Entpacken Sie den Inhalt des SENAYAN-Ordners in das Web-Rootverzeichnis (oder einen Ordner darunter) ihres Webservers.
  2. Erstellen Sie eine MySQL-Datenbank mit dem Namen „dbslims“
  3. Öffnen Sie phpMyAdmin oder einen anderen MySQL-Client und führen Sie das MySQL-Script „\install\senayan.sql“ für die erstellte Datenbank aus.
  4. Passen Sie die Datenbankkonfiguration in sysconfig.local.inc.php an.
  5. Rufen sie die Seite auf und melden Siche sich mit dem Benutzernamen „admin“ und dem Passwort „admin“ an.

Nun können Sie losRAKern 🙂

Anmerkungen

  • Um den Z39.50-Service unter „Katalogisierung“ verwenden zu können, muss für PHP die YAZ-Bibliothek (www.indexdata.com/yaz) installiert sein. Sie können Senayan aber auch so verwenden, allerdings können Sie dann keine Daten automatisch von anderen Katalogen übernehmen.
  • Um die LDAP-Funktion nutzen zu können, muss das LDAP-Modul für PHP aktiviert sein. Wenn Sie nicht wissen, was LDAP ist, dann werden Sie es vermutlich nicht vermissen (ein Dienst zur Benutzerauthentifizierung, z.B. in Firmennetzen üblicherweise zu finden) 😉

So weit. Eigentlich wollte ich heute was ganz anderes machen. Nun juckt es mich beinah in den Fingern meine PICA-katalogdaten scherzeshalber – oder viel mehr mit ernsthaften Absichten – in Senayan zu importieren. Für eine Schulbibliothek ist es z.B. schon keine schlechte Option – kostenlos, umfangreich und eine eigene Webseite macht ohnehin Sinn (die kriegt man schon für weniger als 5 EUR im Monat, teilweise als Schule sogar kostenlos). Man kann sogar einen Verbund aufbauen…

UPDATE

YAZ unter Windows zu aktivieren, ist nicht unproblematisch (siehe Kommentare), ebenso wird der ein oder andere über das Aktivieren von LDAP mit PHP stolpern. Um einmal eine vollständig Out-of-the-Box lauffähige Version zu probieren, einfach

  1. Die Datei UniformServer_with_Slims5.rar herunterladen und entpacken
  2. Start.exe in dem Ordner ausführen
  3. Im Symbol im Tray (neben der Uhr) Start UniServer wählen
  4. Im Browser die Adresse localhost aufrufen

Die LDAP-Einstellungen müssen natürlich ggf. noch in der Konfigurationsdatei von Slims5 (x:\UniformServer\www\sysconfig.inc.php) vorgenommen werden. Dort kann man ebenfalls den/die Z39.50 Server anpassen (eine Liste findet sich z.B. am Ende des Artikels YAZ (Z39.50 Toolkit), PHP, Apache und Windows).

Apr 252010
 

Wo ich gerade eine Mail mit Fragen bezüglich Senayan (siehe: Senayan – Open Source Library Management System aus Indonesien) bekommen habe, nutze ich die Gelegenheit um den Blog mal wieder etwas hinzuzufügen. Seit dem letzten Beitrag hat sich doch etwas getan; immerhin vier offizielle Updates. Damals fehlte noch die deutsche Übersetzung. Anfangs per Mail, hab ich Kontakt zu einem der Entwickler gekriegt; nachdem ich verstanden hatte wie das mit GitHub („Social Coding“) funktioniert, hab ich eine alternative Übersetzungsmöglichkeit rein gebasteltet (eine Gettext-Variante). Jetzt kann bequem mit z.B. PoEdit übersetzt werden (Deutsch ist natürlich fertig ;)). Mittlerweile sind auch Spanisch und Arabisch hinzugekommen. Abgesehen von einem Doku-Ansatz und einem Datenbank-ERD war es das dann aber auch schon im Großen und Ganzen mit meiner ersten Beteiligung an einem Open Source Projekt. Der Versuch, bibliographische Daten per z39.50 abzugreifen, ist nicht über die Grenzen meiner Platte hinausgekommen (hab aber immerhin etwas über dieses Protokoll gelernt; und zmdst. prinzipiell funktioniert es). Allerdings ist wohl ohnehin ein „Flexible Schema“-Feature in der Entwicklung, mittels welchem Metadaten-Schemata (MARC21, MODS, Dublin Core etc.) definiert werden könnten. Derzeit sind die Möglichkeiten (Felder) zur Titelaufnahme nicht unbedingt optimal (obwohl vergleichsweise nicht schlecht), aber wenn dieses Feature käme, würde sich das ändern und dann wäre eine ausgefeilte Importmöglichkeit wahrscheinlich viel günstiger umzusetzen.

Wie auch immer, ich selber ziehe mir nur ab und an die Updates aus den GitHub-Repositorien und gucke was sich so getan hat. Mittlerweile sind einige Entwickler hinzugekommen. Einer davon ist Jürgen Gögelein (bei GitHub), der die deutsche Übersetzung zum Anlass genommen hat, sich in das Projekt einzubringen. Wie der Zufall es will, ist die Motivation dahinter eine betreute Schulbücherei 🙂 Mittlerweile gibt es www.senayan.de und es arbeiten zwei seiner Kollegen mit an dem Projekt. Gerade steht dort nur „It works!“, zuvor war dort ein Live-Senayan zum ausprobieren – vielleicht wird gerade heftig gearbeitet? Eine aktuelle Version setzt ansonsten der Katalog Perpustakaan , der/die/das Perpustakaan Rahima oder die Madinatul Ilmi Library (hier funktioniert die Sprachwahl allerdings nicht) ein.

Ich halte es für ein spannendes Projekt, auch wenn noch eine ganze Menge verbessert werden kann. Eine Empfehlung für den Produktiveinsatz… die kann ich nicht geben, allerdings bleibt mein Eindruck, dass die Open Source-Welt ansonsten nicht wirklich viel Gutes hergibt. Letztlich bleibt wohl nur ausprobieren und vergleichen. Senayan kann man schnell auf jedem LAMP/WAMP-Server installieren oder man lädt sich auf der offiziellen Seite die (nicht ganz aktuelle) portable Version herunter (einfach entpacken, starten und ausprobieren) – ganz rechts im Menü. Vergleichen kann man es z.B. mit Koha für das auch Demo-Versionen online angeboten werden.

Aug 212009
 

Korrektur 2009-08-24: Es ist äußerst peinlich, aber Senayan stammt natürlich nicht aus Indien, sondern aus Indonesien. Der Titel ist nun korrekt, Inhalt angepasst, aber der Permalink bleibt lieber mal. Lesson learned: niemals müde und mit Kopfschmerzen auf Veröffentlichen klicken (oder überhaupt schreiben).

Beim Beitrag Bibliothekskataloge/OPACs für alle? erwähnte ich am Ende, dass ich noch ein ziemlich schickes System gefunden habe, denn ja, ich habe tatsächlich bei Sourceforge nach Perlen getaucht. Mit Senayan kommt somit noch ein Open Source Library Management System aus Indonesien hinzu, das definitiv Aufmerksamkeit verdient. Die Version bei Sourceforge ist gegenüber der Version auf der offiziellen Seite veraltet. Anscheinend sind die Entwickler zu Github („Social Coding“) übergegangen.

Es ist das einfache, überall lauffähige und dabei relativ mächtige Bibliotheksmanagementsystem, das ich im oben genannten Beitrag gesucht habe. Es wäre müßig, wenn ich jetzt alle Features aufzählen würde, denn diese werden auf der Senayan-Seite bereits genannt – zugegeben kribbelt es bei Kardex, Z39.59 und Zweigstellen doch unter den Fingern, diese zu erwähnen. Auf der Seite  sind aber auch eine Demo-Version, sowie Screenshots verfügbar. In den Adminbereich der Demo kommt man mit admin als Benutzername und Passwort. Wer gleich richtig durchstarten will, der kann sich auch eine portable Senayan-Version holen (rechts unter Releases), die von Fandi Gunawan entwickelt wurde (Portable Senayan : Open Source Library management System is now portable). Aber dafür hab ich ja meinen Uniform Server bereits 🙂
Hier ein paar Bilder meiner Installation

Einen kleinen Haken hat die ganze Sache allerdings: Ein Katalog auf Englisch oder Indonesisch bringt in Deutschland nicht viel. Da ich wirklich sehr angetan von dem System war, hab ich mich mal an eine Übersetzung gewagt, wie man bei den Bildern sieht. Dabei habe ich festgestellt, dass leider für einige Stellen keine Übersetzungsmöglichkeiten (von Englisch) angeboten werden, aber hauptsächlich betrifft dies Berichte im Adminbereich. Da Senayan aber noch (sehr) aktiv entwickelt wird, wäre ich zuversichtlich, dass auch dies korrigiert wird.
Insgesamt hat die Übersetzung etwas mehr Zeit in Anspruch genommen als ich dachte. Ganz glücklich bin ich auch nicht damit, aber es ist ein Anfang. Da ich erst mal herausfinden muss, an wen ich die jetzt schicken kann (bei der alten Sourceforge-Version einchecken scheint mit wenig sinnvoll; Github bin ich mir unsicher), hänge ich den „Deutsch-Patch“ erstmal an diesen Beitrag an. Die Schritte wären dann:

  1. Senayan runterladen und entpacken
  2. Den Patch herunterladen (senayan3-(s10,p1)_german-patch) und an die selbe Stelle entpacken
  3. Fünf-Schritt-Anleitung install\README-german.txt lesen
  4. (Mit ein klein wenig Routine bei sowas, läuft das ganze in fünf Minuten)

Tja, was bleibt noch zu sagen? Wer nach ein Bibliotheksmanagementsystem für zum Beispiel eine Schule oder ein Projekt, das nicht gleich der Nationalbibliothek Konkurrenz machen will, sucht, aber vielleicht Aufwand und Anforderungen (~Kosten) von Koha scheut, sollte sich Senayan mal ansehen. Senayan sollte auf jedem „billig“-Webserver laufen und schlägt die Favoriten dieser Liga – von den Downloadzahlen her;  OpenBiblio und PHPMyLibrary – um Längen. Gerade mal 800 Downloads ist aber auch eine Schande (hmm, bei der Strahlweite dieses Blogs wird es jetzt wohl auch nicht besser :D). Einzig wird wohl dort die Z39.50-Unterstützung (YAZ) fehlen, die aber nicht zwingend notwendig ist (sprich eine Installation verhindert). Dann muss man eben von Hand katalogisieren, obwohl auch eine Importfunktion geboten wird – wenn man die Daten also anders bekommt…
Als Open Source ist es natürlich auch wegen der Kosten einen Blick wert. Wenn ich das nicht misinterpretiere, ist Senayan übrigens unter Schirmherrschaft des Department of National Education/Indien entstanden – da gibt’s sowas als gefördertes Open Source, bei uns höchstens ein „kostengünstiges“ Allegro-C? In diesem Zusammenhang sind auch insbesondere die Kommentare zur Infobib-Meldung Erste norwegische KOHA-Installation interessant.

Bei allem Lob, es gibt es auch Schwächen. Allerdings habe ich hier natürlich kein Produktivsystem, von daher kann ich da keine grundsätzlichen Aussagen zu Stärken und Schwächen treffen, allerdings scheint es in Indonesien sehr beliebt zu sein, sich also bewährt zu haben. Wirklich schade fand ich vor allem, dass eben keine vollständige Übersetzung möglich ist. Bei den Titelaufnahmen hat mit gewundert, dass kein Feld für den Untertitel vorgesehen ist. Andererseits ist die Suche aber ziemlich gut und irgendwie ist es dann auch egal (das meine ich jetzt natürlich nicht wirklich lieber potentieller Arbeitgeber ;)).  Auch wäre es natürlich schön, wenn man noch andere Z39.50-Server als den der Library of Congress wählen könnte (mal sehen, ob ich das in den nächsten Tagen herausfinde wie’s auch mit dem GBV klappt), aber das ist auch kein echter Minuspunkt. Theoretisch wäre das Fehlen einer (englischen) Dokumentation ein negativer Punkt, von meiner Seite allerdings auch nur eine halbherzige Kritik, da ich das ganze System eigentlich ziemlich intuitiv fand – 102 Seiten Doku, ob englisch oder indonesisch – sind so oder so doch wenig attraktiv.

Vielleicht reizt es jetzt nun aber noch jemanden Senayan mal zu testen. Vielleicht dann etwas kritischer? 😉

Aug 172009
 

Im letzten Beitrag (Bibliothekskataloge/OPACs für alle?) habe ich erwähnt, dass häufig das fehlen von YAZ ein Problem beim Testen von Open Source-„OPACs“ sei.

YAZ kann man unter www.indexdata.com/yaz herunterladen. Dort wird auch erklärt was YAZ eigentlich ist. Unscharf ausgedrückt, erlaubt das Toolkit den einfachen Zugriff (Abfrage) auf Daten, die per Z39.50-Protokoll übermittelt werden, jenem Protokoll also, welches von Bibliothekskatalogen verwendet wird. Woher sonst sollte man besser bibliographische Daten bekommen? 😉 Theoretisch gibt es auch ein webtauglicheres Protokoll, aber siehe dazu dann Wikipedia.

Jedenfalls wollte ich meinen Uniform Server (für Interessierte: US 5.0-Nano: Introduction) nun YAZ-fähig machen, allerdings stellte sich die Frage „Wie eigentlich“? Eine Anleitung findet sich im Pneumonochrome-Blog unter PHP5.2.6, Apache 2.2, and php_yaz. Dummerweise ist der PECL4Win-Link schon ziemlich lange tot. Deveblog gibt den guten Tipp (Download PECL Extensions for Windows), dass man die Dateien noch über museum.php.net beziehen kann.

Ich hab’s ein ganz klein wenig anderes gelöst, womit der Uniform Server portable bleibt. Prinzipiell sollte es aber auch für alle anderen WAMP-Varianten funktionieren:

  1. Download der aktuellen YAZ-Version für Windows bei Index Data (fast direkt; am besten nach „Last modified“ sortieren)
  2. Installieren (YAZ Runtime reicht)
  3. Im YAZ\bin-Ordner (C:\Program Files\YAZ\bin) die DLLs markieren und kopieren (die ic*40.dll’s braucht man nicht;  spart Platz)
  4. Die DLLs im Apache-Ordner einfügen (US: x:\UniformServer\udrive\usr\local\apache2\bin)
  5. (YAZ deinstallieren :))
  6. Bei den Museum.php-Paketen ist php_yaz.dll nicht enthalten, außer in einer uralt-Version im win32-Ordner.  Wahrscheinlich ist das sogar noch die aktuelle. Direkter kriegt man die Datei unter ftp.indexdata.dk/pub/phpyaz/win32/php-5.2.3/1.0.11/php_yaz.dll.
  7. Ab damit in den PHP-Extension-Ordner (US: x:\UniformServer\udrive\usr\local\php\extensions)
  8. php.ini bearbeiten (US: x:\UniformServer\udrive\usr\local\php\php.ini) und die Zeile extension=php_yaz.dll einfügen (am besten da, wo bereits einige solcher Einträge sind ;))
  9. Fertig; Server ggf. neu starten

Wer jetzt noch schnell ausprobieren will, ob auch wirklich alles klappt, der kann PHP YAZ Example-Script coyp&pasten (wahllose ISBN für die ganz Eiligen: 0939513455). Die PHP YAZ Functions sind an gewohnter Stelle dokumentiert, sollte man etwas herumprobieren wollen.

So, jetzt stellt sich nur noch eine Frage: was ist, wenn ich lieber den GBV statt der Library of Congress hätte? Dafür gibt es dann die Z39.50 Target Directory von Index Data. Hier ein paar für den Schnelleinstieg (teilweise sind mehrere Server vorhanden, ich hab jeweils die mit 100% Verfügbarkeit bzw. den ersten genommen):

  • Library of Congress (LoC) – z3950.loc.gov:7090/voyager
  • Deutsche Nationalbibliothek (DNB) – z3950.dbf.ddb.de:210/ILTIS
  • Gemeinsamer Bibliotheksverbund (GBV) – z3950.gbv.de:210/GVK
  • Hessisches Bibliotheks-Informationssystem (HEBIS) – tolk.hebis.de:210/hebis
  • Südwestdeutscher Bibliotheksverbund (SWB) – swb.bsz-bw.de:210/swblite

Einfach beim obigen Script z.B. den GBV einzufügen funktioniert aber nicht – das scheint schon etwas trickreicher zu funktionieren alles. Aber Prinzipiell funktioniert das so wenigstens mit der YAZ-Unterstützung…

Uh, ich glaub ich hab loc.gov gerade zum abschmieren gebracht mit meinen Spielerein (und ich dacht ich hätte beim Script was kaputt gemacht wegen der Timeouts). Ich glaub ich muss weg, sorry Erik 😀

Aug 172009
 

Kurz vorweg: Einen Vergleich von Open Source OPAC-Software wird man hier nicht finden, dafür aber vielleicht ein paar Anregungen und nützliche Links, wenn man (ganz) am Anfang des Problems steht eine kleine Bibliothek mit OPAC aufbauen zu müssen. Das ganze Geschreibsel ist – wie immer – auch recht organisch gewachsen 😉

I. Die Anfrage

Vor ein paar Tagen habe ich mich mit ein paar Freunden getroffen. Da einer in seinem Schachverein die ehrenvolle Aufgabe übernommen hatte etwa zweihundert Bücher mal ordentlich zu erfassen, fragte er mich, ob ich da einen Tipp bezüglich einer guten unterstützenden Software hätte. Dass überhaupt entleihbare Bücher vorhanden sind, wissen die meisten Vereinsmitglieder gar nicht, aber es gibt eine Website. Insofern wäre es natürlich schön, wenn man dort auf das Angebot (oder besser dessen Umfang) verweisen könnte. Ebenfalls gut wäre, wenn verliehene Bücher irgendwie verbucht werden könnten.

Der ursprüngliche Plan war eine Excel-Datei. Zweihundert Bücher sind nicht gerade die Welt (genau genommen vielleicht ein schmaleres Bücherregal), aber was besseres und ansprechenderes als ein Excel-Ausdruck sollte sich doch finden lassen. Abgesehen davon gibt es unter anderem ja noch Schulbibliotheken oder andere Vereinsbibliotheken, die sicher mehr Medien haben, aber sich sicher auch kein full-blown Integrated Library Management System leisten können bzw. wollen und wo die Arbeit auf ein Teilzeit-Ehrenamt umgelegt wird. So gesehen ist die Frage grundsätzlich interessant, denn wenn man den Bestand um einige (wenige) Dimensionen erhöht, werden Excel- und „Regal-Browsing“-Lösungen immer ungünstiger.

Mit dem Gedanken an eine irgendwann mal gesammelte Linkliste zu Open Source Systemen, der vagen Vorstellung von LibraryThing als Option und einer schummrigen Erinnerung an eine Aussage eines Kommilitonen á la „Ich hab das [ein ähnliches Problem] mit Citavi gelöst“, hab ich den Tipp erst mal vertagt.

II. Die Anforderungen

Zunächst stellt sich die Frage nach den grundsätzlichen Anforderungen an ein Produkt für so eine relativ kleine Aufgabe. Im Grunde handelt es sich hier ja um eine „Mini“-OPL (One Person Library) und für diese werden beim BIB die Checklisten für One-Person Libraries angeboten. Besonders interessant ist dabei die Checkliste Nr. 4: Bibliothekssoftware, allerdings werden dort tatsächlich nur Anforderungen skizziert, aber leider keinen konkreten Softwareprodukte/Anbieter vorgestellt oder empfohlen. Für den vorliegenden Fall geht das Anforderungsprofil aber schon etwas zu weit, weswegen ich mich auf folgende Punkte festgelegt habe:

[x] Kostenlos
Das System sollte als Freeware oder Open Source angeboten werden. Im Zweifel wäre auch noch eine (sehr) günstige Bezahllösung akzeptabel. Insgesamt wünschenswert – sofern die Software nicht bereits absolut perfekt ist – ist auch, dass das System aktiv weiterentwickelt wird.

[x] Systemvoraussetzungen (einfache Installation/Anwendung)
Bevorzugt wäre eine PHP+MySQL-Lösung, da sie nahezu überall einsetzbar wäre, wo bereits eine Website besteht. Ungünstig wäre, wenn noch zusätzliche Komponenten installiert werden müssten. Zum einen wegen des nötigen technischen Know-Hows, zum anderen weil dann ein (Web-)Server mit administrativen Vollzugriff nötig wäre – mit einem günstigen Shared-Hosting-Angebot kommt man dann nicht weit.
Alternativ käme ein rein webbasiertes (Web 2.0) Angebot in Frage, das lediglich einer Anmeldung bedarf.
Eine reine Desktopanwendung käme nur in Frage, wenn sie die Titelaufnahme wirklich einfach gestaltet und irgendeine Möglichkeit bietet das Angebot sichtbar zu machen (anpassbarer Export als Word/PDF/HTML & Co) und nicht nur zu verwalten.

[x] Einfache Katalogisierung
Optimaler und sehr wünschenswerter Weise bietet das System eine Möglichkeit einfach Fremddaten zu übernehmen. Im günstigsten Fall per Z39.50 (oder gar Zing) oder – etwas ungünstiger – aus anderen Quellen, die eine entsprechende API (Schnittstelle) bieten wie z.B. die Amazon Web Services oder LibraryThing-API. Im besten Fall kommt man dann schon mit der Eingabe einer ISBN recht weit und spart viel (ehrenamtlich unvergüteter) Zeit.
Zusätzlich (oder alternativ) sollte man einigermaßen flexibel den Anspruch an die Qualität und den Umfang einer Titelaufnahme bestimmen können. Felder wie Dewey-Klassifikation, Geo-Koordinaten oder Abmessungen des Mediums werden wohl in den seltensten Fällen ausgefüllt werden. Entsprechend sollte man derlei Felder ausblenden/deaktivieren können.
Wünschenswert wären auch gewisse „Fail-Safe“-Mechanismen,  z.B. indem man aus bereits verwendeten Schlagwörtern/Tags wählen kann und nicht die Übersicht verliert und sich schnell mal Tippfehler einschleichen. Eine PND erwartet man aber sicher nicht 😉
Insgesamt ist dies also ein entscheidender Punkt, wenn es um die Überlegenheit gegenüber einer Excel-Lösung geht (natürlich bezogen auf einen wirklich kleinen Bestand). So ein System soll bequemer, einfacher, sicherer und schneller zu dem  Ziel führen den Bestand systematisch zu erfassen.

[x] Import/Export-Möglichkeiten
Der Punkt lehnt an den vorangegangen an. Eventuell sind schon Daten vorhanden oder man will sich die Möglichkeit offen halten später auf ein anderes System umsteigen zu können. Tödlich sind hier proprietäre Speichermethoden ohne Exportmöglichkeit. In aller Regel ist ein Export in ein gängiges Format aber relativ einfach möglich. Charmant ist natürlich auch ein halbautomatische Titelaufnahme, bei der z.B. eine Liste aller ISBNs ausreicht um automatisch Titelaufnahmen aus Drittquellen zu beziehen – so etwas bietet z.B. LibraryThing.

[x] Deutschsprachig
Recht banal, aber häufig problematisch: natürlich sollte die Software deutschsprachig sein oder zumindest eine einfach Übersetzungsmöglichkeit bieten.

[x] Benutzerverwaltung (Ausleihe)
Normalerweise sollten Bücher auch entleihbar sein. Wie das System das regelt, ist vielleicht nicht so wichtig, solange es mindestens feststellen kann „Medium X ist bei Herrn/Frau Y und sollte langsam mal wieder zurück gebracht werden“. Wenn Nutzer Bücher selbst vormerken oder sich Merkzettel erstellen können, dann ist das sicher schön, aber vielleicht nicht gar so eine essentielle Anforderung.

[x] Suchen, Finden, Stöbern (OPAC oder…?)
Ich denke neben der einfachen Katalogisierung, ist dies ein wesentlicher Dreh- und Angelpunkt, der gegen eine Excel (oder anderweitige „lokale“) Verwaltung und für eine Weblösung spricht. Unter anderem kann man so das Angebot recht einfach sichtbar machen, selbst wenn die Bücher an  einem dunklen, allgemein unbekannten Ort stünden. Neben einer Stichwortsuche nach zumindest Autor, Titel und Schlagwort, wäre auch wünschenswert, dass man systematisch durchstöbern kann. Sprich man sollte auch eine alphabetische Liste der vorhandenen Autoren, Titel, Themen und Schlagwörter erhalten können, am besten mit einer Angabe wie viele Titel sich jeweils dahinter verbergen.
Die Suche ist allgemein ein großes Thema und da kann (und wird) sicher viel falsch gemacht. Ohne groß Kriterien festzulegen, würde ich einfach sagen, dass die Software hier eben einfach überzeugen müsste.

Dies wären so die wesentlichsten Punkte in aller Kürze. Punkte wie Erwerb und Statistiken halte ich für eher vernachlässigbar. Wie die obigen Punkte werden diese aber auch in der genannten Checkliste ausführlich behandelt.

III.1 Dann suchen wir mal … webbasiert/Open Source

Allgemeines

Wenn man mit Fokus auf eine webbasierte (hier definiert als  PHP/MySQL) Open Source Lösung sucht, dann wird man recht schnell auf OpenBiblio 0.6.1, Koha 3.0.3 (oder Koha Win32_2.2.9) und PHPMyLibrary 2.2.1.3 stoßen. Für OpenBiblio 5.1.7 gibt es auch eine deutsche Version, bei der die Eingabefelder angepasst wurden, die allerdings auch zwei Versionen hinterherhinkt. Ich habe diese zuerst genannt, da es dazu auch einen Präsentation gibt, bei der die drei Systeme verglichen werden: Kumar, Vimal (2006) : Free/Open source integrated library management systems: comparative analysis of Koha, PHPMyLibrary and OpenBiblio. Abgesehen von Koha stagniert die Entwicklung der beiden anderen Systeme auch etwa seit Veröffentlichung der Präsentation, d.h. sie ist (bedauerlicher Weise) noch recht aktuell. Die angewandten Bewertungskriterien können sicher auch für andere Systeme nützlich sein.

Das sind aber noch längst nicht alle Systeme. Recht schnell wird man auch auf BiblioteQ, VuFind 1.0RC1 und PMB 3.1.27 stoßen. PMB ist übrigens das einzige System, das mal von europäischem Boden (Frankreich) ausgeht – ohne jetzt alle anderen zu genau geprüft zu haben. Noch weiter ergänzen kann man die Liste z.B. bei der englischen Wikipedia unter List of next-generation catalogs. Und wenn man nochmal selber nach Perlen tauchen will, dann kann man natürlich noch bei Sourceforge in der Kategorie Library stöbern (oder vielleicht besser nur OPAC). Da versteckt sich z.B. das interessant erscheinende griechische Produk Opacial (sogar mit Standortraumplananbindung; dummerweise ist die Adminoberfläche rein griechisch) – nebst wohl vielen anderen. Darüber hinaus kann man dann auch noch übers Netz verstreut diverse Module für z.B. Joomla (oBiblioOpac) oder sogar WordPress (Scriblio) finden.

Spätestens jetzt fängt einem der Kopf doch etwas zu schwirren an. Nur allein die explizit (und vielleicht noch einige aus dem Wikipedia-Artikel) genannten zu testen und zu vergleichen, würde viel Zeit kosten. Gerade bei den interessanteren (Koha, VuFind, PMB und BiblioteQ) hakt es auch daran, dass sie weitere oder andere Komponenten als PHP/MySQL benötigen (z.B. Java SDK, PostgressSQL oder die Z39.50-Softwarebibliothek YAZ) und bei Webservern ohne Vollzugriff damit schon aus dem Rennen sind. Allerdings irr ich mich vielleicht und es gibt durchaus sehr kleine Bibliotheken mit „mehr als einer Shared Host-Website“? Abgesehen davon gibt es zwar in der Regel Schritt-für-Schritt Installationsanleitungen, aber vermutlich würde ich mich als Stangenkäufer auch bei der besten Schritt-für-Schritt Häkelanleitung schwer tun 😉
Das nächste KO-Kriterium wäre dann wahrscheinlich, dass es teilweise keine deutsche Version gibt. Wenn man durch die Ordner guckt, dann haben Koha, BibliotQ und VuFind Übersetzungen, PMB und PHPMyLibrary nicht und OpenBiblio nur eine veraltete. Bei OpenBiblio ist zudem schade, dass irgendwann jemand angefangen hat insbesondere bei der Übersetzungslogik in dem ansonsten sehr ordentlichen Quellcode zu schlampen.

Openbiblio

Trotzdem habe ich mich jetzt mit OpenBiblio mit am längsten befasst. Das Feine ist, dass es im Grunde alles mitbringt – Benutzerverwaltung (mit eigens definierbaren Formularfeldern) , Definition von Benutzertypen (Jugendlicher, Erwachsener…), Definition von Medienarten, Definition von Genres mit festlegbaren Ausleihfristen, Ausleihfunktion, Möglichkeit Titelisten und sogar Signaturen mit Barcode zu drucken (leider jeweils nur als PDF; und ob die Signaturen auf irgendeinen Buchrücken passen, steht auch auf einem anderen Blatt). Die Titelaufnahme selbst ist… interessant. Wie die meisten Systeme setzt auch OpenBiblio auf (US)MARC.  In OpenBiblio sind 175 Einzelangaben vorgegeben (potentiell scheinen es aber noch sehr viel mehr zu sein). Nur dummerweise gibt es keine unterschiedlichen Aufnahmeformulare für unterschiedliche Quellen. Allerdings kann man sich theoretisch relativ einfach weitere Formulare basteln, z.B. für „Bücher“ und Zeitschriften. Allerdings müsste man sich dann erst die entsprechenden MARC-Codes raus suchen. Wenn man mehr als „stinknormale“ Monographien korrekt aufnehmen wollte, dann wird es hier also schon ziemlich unkomfortabel. Die Mühe würde sich allerdings auch kaum lohnen, denn die  Suchmöglichkeiten – wie schon die oben genannte Präsentation feststellt – sind sehr begrenzt: Titel, Autor und Schlagwörter. Man kann zwar das Suchfeld frei lassen und erhält dann eine Liste aller Titel, dies ist dann allerdings auch nur nach Autor und Titel zu sortieren. Ein alphabetischer Index für Autor, Titel, Schlagwörter und Genres wäre schon sehr wünschenswert gewesen. Theoretisch wäre auch das relativ einfach selber reinzuhacken (also wirklich quick&dirty), aber schöner wäre natürlich, wenn an der Software weitergearbeitet wird.
Tatsächlich geisterte im Forum auch eine Andeutung auf eine Version 1.0 herum, aber nachdem das letzte wirkliche Update bereits über zwei Jahre zurückliegt, kann man darauf wohl nicht wirklich spekulieren. Das ist wirklich Schade, denn im Grunde sind die Ansätze alle gut. Wenn man will, dann kann man sich mittels Plugins sogar Titel über die Amazon-API und mit Lookup sogar per Z39.50 aus dem GBV ziehen. Letzteres funktioniert, sofern vom Remote-Katalog unterstützt, theoretisch auch per SRU und würde also auch bei „einfachen“ Webservern funktionieren. Das Amazon-Plugin kann recht schmerzfrei ergänzt werden, allerdings sind Amazon-„Aufnahmen“ nicht gerade eine Freude. Die andere Variante ist also interessanter, allerdings handelt es sich nicht um ein Plugin im engeren Sinne, denn man darf erst mal einige Dateien nach Anleitung anpassen. Die Datenbankanpassungen geschehen dann auch nicht über ein mitgeliefertes SQL-Script, sonder man darf die Tabellen im Rohformat im MySQL-Data-Ordner einfügen – autsch. Bisher hab ich es auch noch nicht wirklich ans Laufen gekriegt, da hilft es dann auch nichts, dass die letzte Aktualisierung sogar nur wenige Wochen zurückliegt.
Tja, OpenBiblio. Ich hab dem so viel Raum gewidmet, weil ich denke, dass es eigentlich das gesuchte einfache und schnell aufzusetzende System sein könnte. Wenn absehbar nur „Bücher“ verwaltet werden sollen, dann kann man über die Schwäche bei der Aufnahme sicher hinwegsehen, aber die minimalistische Suche ist dann doch ein ziemliches Totschlagkriterium. Aber vielleicht kommt ja tatsächlich demnächst eine 1.0-Version…

PHPMyLibrary

Bleibt eigentlich nur noch PHPMyLibrary, das noch out-of-the-box läuft. Obwohl es eigentlich einen recht ordentlichen Eindruck macht, schrecken mich da doch einige Dinge ab. Zum einen wäre das, dass es keine deutsche Version gibt. Das wäre noch nicht so schlimm, wenn wenigstens eine einfache Übersetzungsmöglichkeit vorhanden wäre, aber das scheint nicht der Fall zu sein. Zudem gibt es keine echte Dokumentation, auch nicht zum Quellcode. Da frag ich mich dann doch, warum die Hälfte der Einstellungsoptionen im entsprechenden Menüs nicht verlinkt sind. Die letzte Aktualisierung liegt zudem drei Jahre zurück. Um es kurz zu machen: das wäre mir zu viel Aufwand mich da rein zu fummeln.

Koha Demo (Und nun?)

Obwohl ich weit davon entfernt bin einen vollständigen Überblick über alle Angebote zu haben, würde ich soweit für mich aber doch feststellen, dass es kein wirklich attraktives Do-it-yourself-Angebot für eingangs skizziertes Miniprojekt gibt, welches eine gute Balance zwischen Simplizität und Funktionalität bietet. Das gilt jetzt natürlich nur für die Produkte, die ohne besondere Ansprüche laufen. Leider konnte ich sie entsprechend auch nicht alle mal eben testen, insbesondere weil alle die YAZ-Bibliothek oder PostgressSQL benötigen.

Koha wäre aber doch nochmal interessant (meine Güte – das Ding kommt als 370 MB-Bolide daher).  Glücklicherweise kann man sich das unter liblime.com als Demo mit allen Funktionen mal ausprobieren (Version 3.01.00.037). Soweit ich das sehen kann, darf man wirklich fast alles machen, die Sprache ist aber auf Englisch begrenzt – wohl auch sinnvoll bei einem Demo-System. Das sieht schon wirklich gut aus, aber für wirkliche kleine Projekte wäre es doch ein Overkill.

III.2 Dann suchen wir mal … webbasiert/“Web 2.0″

Seit einer Weile ist auch Social Cataloging ein Begriff. Deutschsprachig (mehr oder weniger) präsentieren sich hier aNobii, weRead und LibraryThing. Von den dreien ist LibraryThing der einzige Dienst, der kostenpflichtig ist (bzw. wird, wenn man die 200 Titel-Grenze überschreitet). Sehr schick ist das automatische „Katalogisieren“ – einfach eine Textdatei mit ISBNs hochgeladen und nach etwa einer halben Stunde hat man seine Bücher im System, aber wohl auch sein Limit der kostenlosen Einträge gesprengt. Nun kann man 10$ im Jahr oder 25$ für eine lebenslange Mitgliedschaft ausgeben. Als OPAC-Notlösung taugt es aber eigentlich nicht, denn weder kann man seine Bücher wirklich ordentlich Organisieren, noch hat man selber Einfluss auf die Titelaufnahme – abgesehen von der Vergabe von Tags. Man kann seine Bücher zwar in Sammlungen zusammenfassen, Listen ausdrucken und Widgets in die eigene Website einbinden, der Hit ist das aber – meines Erachtens – nicht. Wenn man „Lesernetzwerke“ gründen will, dann ist es sicher interessant, aber die Idee einer Behelfsbibliothek würde ich doch ganz schnell wieder verwerfen.

III.3 Dann suchen wir mal … Desktopanwendungen

Im Grunde dürfte dies die schlechteste Lösung sein, da solche Programme mehr oder weniger zwingend nur vom Bibliothekar (bzw. dem Verantwortlichen ;)) verwendet werden können. Kein Nutzer kann von außen (Internet) recherchieren und normalerweise arbeiten solche Programme auch nicht mit Benutzerrechten, also beispielsweise ein Nutzer nur Suchen, nicht aber einen Titel ändern kann, wenn man dafür einen PC bereitstellt. Wenn es anders ist, dann sind wir wohl schon bei einem richtigen Bibliothekssystem.

Im Grunde sind wir hier wohl bei einem besserenExcel. Da ich für mich privat vor einiger Zeit mal recht intensiv nach entsprechenden Freeware-Angebote gesucht habe, kann ich einigermaßen zuversichtlich sagen, dass es da nichts gibt mit dem man wirklich glücklich würde. Prinzipiell empfehlen kann ich allerdings Book Collector, dass jedoch in der Standardvariante 25€ und in der Pro-Version 40€ kostet. Bei dem Programm sollte kaum ein Bibliothekar wirklich was vermissen können. Ich spar es mir an dieser Stelle auf all die Features genau einzugehen. Wichtig finde ich drei Punkte, die das Programm zu einer ganz guten und relativ günstigen Lösung machen können. Erstens kann man Titel schnell vollständig und korrekt durch Angabe von ISBNs automatisch aufnehmen. Zweitens kann man sehr flexibel Listen drucken. Drittens können Listen auch (dem eigenen Bedürfnissen angepasst) als HTML-Seiten ausgeben werden. Diese sind zwar statisch und ohne Suchmaske, aber immerhin könnte man sie dennoch recht einfach online bringen. Angepasster Listendruck und HTML-Export sind allerdings Pro-Funktionen. Wo ich gerade bei den Features schaue, sehe ich, dass man auch read-only-Versionen installieren kann – quasi ein kleiner OPAC vor Ort also.

Wirklich sexy ist die Lösung nicht – es sei denn man kann sich für ausgedruckte Listen oder statische HTML-Seiten begeistern. Abgesehen davon muss irgendwer auch die 40€ bezahlen – da sollten aber schon einige Regale gefüllt sein 😉

IV. Nun steh ich hier ich armer Tor….

und bin schlauer als zuvor. Trotzdem habe ich für mein konkretes Problem keine gute Lösung gefunden. Excel ist zwar eine echte Büroseuche und wird für alles mögliche missbraucht, aber vielleicht wäre es in diesem Fall nicht die schlechteste Lösung. Aber man kann sich bei so wenig die Arbeit etwas erleichtern:

  1. Erstelle eine Textdatei (ISBNs.txt oder so)
  2. ISBNs der vorhanden Bücher reinhacken (eine ISBN pro Zeile)
  3. Zu www.librarything.de gehen
    • Benutzerkonto erstellen
    • Gehe zu „Bücher hinzufügen“
      • Klicke unter „Andere Wege, um Bücher hinzuzufügen“ auf „Bücher importieren“ (direkt: www.librarything.de/import.php)
      • Datei auswählen und auf Importieren klicken
      • Warten… 😉
  4. Wenn der Import durch ist zu „Werkzeuge“ (rechts oben) gehen
  5. Die Datei kann mit Excel geöffnet werden und enthält dann Titel, Autor, ISBN, Verlag und Serientitel – wirklich mehr ist es nicht, aber naja – reicht ja auch
    • Die Datei mit Excel öffnen und nach Wunsch anpassen (STRG+H ist evtl. ein guter Anfang ;))

Theoretisch kann man die Datei auch in Access importieren (sofern vorhanden) und sich dort relativ einfach (Druck)-Berichte erstellen. Natürlich könnte man sich in Access auch mehr schaffen, wenn man sich damit auskennt… 😉

Wirklich schön ist die Lösung nicht, aber für <1000 Titel lohnt sich wohl kaum irgendwas anderes. Trotzdem werde ich das Gefühl nicht los, dass es doch besser gehen müsste. Vielleicht hat ja noch jemand eine gute Idee? 🙂

Für >1000 hab ich gerade noch etwas sehr feines gefunden – glaub ich. Das guck ich mir gerade mal genauer an, schreib aber besser dann nochmal auf einem leeren Blatt Papier was dazu 😉

Bleibt eigentlich nur noch die Frage – aus Neugier – was eigentlich die (kommerziellen) Klassiker kosten würden. Welche sind das überhaupt? Mir fallen spontan nur Aleph (Ex Libris), PICA (OCLC) und Allegro-C ein. Abgesehen von Allegro findet man (ich) bezeichnender Weise keine Preise für die Systeme auf den Herstellerseiten. Allegro-C geht preislich ja noch, aber der Hinweis „Nutzungsrechte können nur Einrichtungen der öffentlichen Hand erteilt werden.“ ist etwas versteckt. Nun, so neugierig auf die anderen Preise bin ich dann im Moment doch nicht… 😉