Jul 032013
 

Um drei Punkte geht es in diesem Beitrag. Ersten eine Konkretisierung zu Schaffung schulbibliothekarischer Stellen an Schulen (in Hamburg). Zweitens um die Möglichkeit zur Teilnahme am Hamburger Schulbibliotheksnetzwerk über eine Kooperation – insbesondere – mit den Bücherhallen. Und drittens gab es ein langes persönliches Resümee, das aber noch mit einem „Rauschfilter“ hätte bearbeitet werden müssen. Um dieses bereits lange im Entwurfszustand verharrende Post, in dem es im Wesentlichen um die Schaffung neuer Stellen gehen sollte, doch mal auf den Weg zu bringen, wurde der Teil stark gekürzt (aber ganz kann er es doch nicht lassen).

Stellenschaffung

E6 „Nichtpädagogische Fachkraft“

Die offizielle Version meiner hausgemachten Erklärung für ein solches Vorhaben ist nun auch offiziell dokumentiert. Das Dokument BSB – Schulbibliotheken für Hamburger Schulen. Anregungen zur Einrichtung und zum Betrieb (PDF direkt) ist ziemlich versteckt unter den BSB Publikation A-Z.

Der Punkt 4.4 (Ressourcenausstattung für den Bibliotheksbetrieb) auf Seite 10-12 ist dabei entscheidend. Dort wird ein ominöses BSB-Rundschreiben erwähnt, aber jedenfalls wird auch das beispielhafte Verfahren für so ein Anliegen sehr konkret erläutert, leider allerdings mit schlechteren Bedingungen für Grundschulen, die meiner Einschätzung nach aber sehr eindeutig von den Schulbibliotheken profitiert haben. Interessant ist außerdem das dort erwähnte – nicht jedoch erläuterte – Verfahren „Zusätzliches Stammpersonal“, denn in Hamburg herrscht derzeit Einstellungsstopp (aktuell wohl bis 2015). Möglicherweise ist dieses Verfahren ein „Schlupfloch“.

Insgesamt werden Schulleitungen – und ohne die geht es schließlich nicht – diese etwas verklausulierte Darstellung sicher richtig interpretieren können. Wo ein Wille ist, ist somit ein gangbarer Weg aufgezeigt (für den es Präzedenzfälle gibt). Hinzuzufügen ist, dass von den Präzedenzfällen (Projektbibliotheken) nahezu keine Schulleitung auf den 40h/5 Tage-Ansprechpartner für Schüler und Lehrer verzichten wollte.

~E8 „Hochschulabschluss“

Durch meinen kürzlichen Stellenwechsel wurde an unserer Schule erneut ein „Präzedenzfall“ geschaffen. Durch den oben erwähnten Einstellungsstopp wäre nur eine interne Ausschreibung für eine Nachbesetzung möglich gewesen. Das ist zunächst nicht unbedingt dramatisch, aber die Schulleitung wollte die Stelle gerne auf ein Bachelor-/Diplomniveau anheben (üblich ist da EGr. 9 TV-L). Das Problem ist, es gibt leider keinen regulären Stellentyp „SchulbibliothekarIn“.

Der gangbare Weg ist nun, eine Pädagogische Fachkraftstelle auszuschreiben (prinzipiell problemlos möglich) und dann den magischen Satz „Die hier formulierten Anforderungen ersetzen obiges Anforderungsprofil“ einzusetzen. Dieser „magische Satz“ kann allerdings die Grundanforderung dieser „Stellentypvorlage“ nicht aushebeln, so dass ohne pädagogischen Hintergrund kein E9, immerhin aber E8 heraus kommt. Es handelt sich also um eine Aufwertung im Rahmen der verbindlichen Möglichkeiten. Die Stellenausschreibung kann Beispielhaft eingesehen werden: Goethe-Gymnasium Hamburg – SchulbibliothekarIn – Stellenangebot 2013-01726.pdf.

Diese Erläuterung ist insgesamt ohne Gewähr, aber ich wollte diese Möglichkeit keinesfalls ganz untergehen lassen. Auch wenn dieses Blog nicht gerade weithin sichtbar ist, es steht immerhin irgendwo. Nach zwei Wochen 33 Bewerbungen (mit etwas Werbung über entsprechende Mailinglisten) kann sich durchaus sehen lassen. Und es gab einige Anfragen, wie denn eine solche höherwertige Stelle geschaffen werden kann. Das Thema Schulbibliotheken ist also bei weitem nicht tot oder durch Nimmermehr verschreckt.

(Ich würde mich ggf. auch freuen, wenn hier Kommentare hinterlassen werden, die den Erfolg des/der beschriebenen Wege belegen oder eventuell auch andere Wege nennen – gerne auch Fragen natürlich).

Kooperationsvereinbarung BSB & HÖB

Seit April 2013 gibt es eine konkrete Kooperationsvereinbarung zwischen der Schulbehörde und den Bücherhallen. Auf der BSB-Seite soll es noch bereitgestellt werden. Bei Lernwelten Hamburg (Seite der Schulbibliothekarische Arbeitsstelle der Bücherhallen; etwas versteckt) ist es bereits zu finden. Direkt: Kooperationsvereinbarung über den Betrieb von Schulbibliotheken zwischen HÖB und BSB (PDF) – oder meine barrierefreie bzw. durchsuchbare Version.

Das wichtigste (für „Neueinsteiger“) in Kürze

  • Laut §1 gilt die Vereinbarung für bestehende Leasingbibliotheken und die ehemaligen Projektbibliotheken
  • In §3 heißt es aber: „Die fachliche Beratung zur Einrichtung oder Umgestaltung einer Schulbibliothek kann auch von anfragenden Schulen in Anspruch genommen werden, die keine in § 1 genannte Schulbibliothek unterhalten.
  • Für die Vereinbarungsdauer bis 31.12.2014 (§6) hieß es mündlich sinngemäß, dass kein Verlängerungsproblem erwartet wird und es eher einen haushaltstechnisch-organisatorischen Hintergrund hat

Da das Projektziel (Ausbau und Finanzierung von Schulbibliotheken in weiterern Schulen durch die Stadt) „gescheitert“ ist, dürfte die größte Hürde die Finanzierung des Neuaufbaus einer Schulbibliothek sein, wozu neben Raum und Medien auch eine einigermaßen umfangreiche IT gehören muss. Sachmittel sind aber in der Regel leichter zu lösen als Personal – und dafür ist oben ja ein Weg gezeigt. Prinzipiell bietet sich als Einstieg für die Medien möglicherweise das Leasingmodell an, das allen offen steht. Dies umfasst maximal 800 Medien, was sehr wenig ist (200 Taschenbücher kriegt man schon auf ein schmales Ikea-Regal), weswegen beim Dienstleistungsüberblick der SBA auch ergänzt wird: „Jede Leasingbibliothek ergänzt in der Regel den Leasingbestand mit schuleigenen Medien“.  Soweit hat das Ganze den Vorteil, dass man Unterstützung bei der Mammutaufgabe Neuaufbau hat, allerdings sind auch ein paar Dinge zu bedenken. Insofern ich alle Kritikpunkte (mehrfach) auch direkt angesprochen habe, erlaube ich mir, sie auch öffentlich zu äußern. Möglicherweise sind einige wirklich im Ansatz oder für die Praxis so unnachvollziehbar, dass sie keiner Diskussion, einer Erläuterung  oder eines Kommentars würdig sind – das möge dann jeder für seine Entscheidung selber beurteilen.

Bibliothekssoftware

Prinzipiell ist die Ausleihe mit Karteikarten möglich und auch üblich bei den Leasingbibliotheken. Will man höher hinaus, ist eine Bibliothekssoftware und ein Onlinekatalog, wie sie die Projektbibliotheken haben, sehr sinnvoll – wenn’s brummt, ist handschriftliche bzw. Zettelverbuchung kein Spaß und außerdem sollten die Kids auch z.B. vom Smartphone eine Leitung zur Bibliothek (und ihrem Bestand) haben; dass Ebooks und OER auch nicht mehr lange ignoriert werden können, ist dabei noch eine andere Sache. Diesbezüglich schließt der Kooperationsvertrag aber nur die ehemaligen Projektbibliotheken (und das neue Prestigeprojekt „Tor zur Welt“) ein, allerdings scheint die Möglichkeit für den Einstieg weiterer Schulen nicht prinzipiell ausgeschlossen. Das sollte man sich aber gut überlegen.

Denn prinzipiell ist das System (PICA/LBS4) nicht schlecht – besser geeignete Systeme kann man sich für Schulen vorstellen, aber in der Realität sieht es unter unterschiedlichen Gesichtspunkten schlecht aus. Bei dem HÖB/GBV-System ist jedoch zu bedenken, dass absolut keine Katalogisierung vor Ort möglich ist, d.h. alles muss an die SBA weitergereicht werden. Eher selten wird selber katalogisiert, sondern die Katalogdaten werden gekauft – für Neuerwerbungen sowieso grundsätzlich, sofern nicht bereits vorhanden aufgrund Erwerbs durch andere Schulbibliotheken im Verbund. Die EKZ-Daten sind dabei nicht immer berauschend. Zum Beispiel ist bei Jugendbüchern die Angabe und Vollständigkeit von Reihen und Reihenteil nochmal nachdrücklich sinnvoll (die Frage, welcher Teil das jeweils sei, kommt häufig), aber der Katalog hilft oft nicht weiter und ist inkonsistent bei den Angaben von Ausgabe zu Ausgabe (ist es peinlich als Bibliothekar zuzugeben, dass man mindestens in dieser Hinsicht buchaktalog.de bevorzugt?). Jeder Wunsch nach Änderung muss weitergeleitet werden, aber wer mag ständig Fehler/Änderungswünsche melden? Außerdem hat man absolut keine Besitzrechte an den Titeldaten für die eigenen Medien, selbst wenn man sie bezahlt hat. Rausholen kann man sie über den Onlinekatalog, aber das darf man nicht; OpenData ist schließlich kein bibliothekarischer Kampfbegriff und eine Kernkompetenz wie das Katalogisieren/Erschließen ist outgesourced und über Lizenzen geregelt. Das bedeutet, sollte man jemals eine andere Lösung nutzen wollen oder – als so unwahrscheinlich das geschildert wird – die Kooperation enden, dann stünde man nackt da und müsste alles neu katalogisieren (oder kaufen).

Denkbar und machbar wäre das sicher auch anders, z.B. möglicherweise eine lokale Katalogisierung. Jedoch werden Überlegungen dazu mit vagen Schlagworten – Qualität und Verbundscharakter – abgewehrt. Die Verbundsidee scheint aber eigenwillig. Denn schließlich kann jeder Schüler nur in seiner Bibliothek leihen – der Bestand der jeweilig anderen Schulen ist völlig irrelevant (und sogar ggf. irritierend), auch wenn diese Aussage ggf. durchaus differenzierter behandelt werden könnte. Zur Qualität wurde ja bereits einiges gesagt; hinzu kommt vielleicht noch, dass die EKZ-Rezensionen, die sich eigentlich an Bibliothekslektorate richten, in Inhalt und Form m.E. auf die Zielgruppe Schüler teils eher abschreckend wirken; wenn es überhaupt Inhaltshinweise im Katalog gibt.

Prinzipiell ist es natürlich nachvollziehbar, dass nicht jeder nach Gutdünken katalogisieren (können) soll, aber zumindest nachdenken könnte man über alternative, flexiblere Wege. Zumal hier keine Inkunabeln aufgenommen werden und zmdst. bei den Projektbibliotheken schließlich auf „Fachpersonal“ Wert gelegt wurde. Seitens der HÖB/SBA ist dies aber nicht diskutabel.

Grundsätzlich ist keine Schule gehindert eine eigene Software einzusetzen und selber zu katalogisieren (oder die Daten zu kaufen), praktisch gibt das aber nicht jede Schul-IT (oder bibliothekarische Ausbildung oder Budget) her, einen Onlinekatalog selber zu betreiben. Und entsprechende (interessante) Software gibt es auch nicht wie Sand am Meer – darauf wurde in diesem Blog aber schon an anderer Stelle (und vor zu langer Zeit) eingegangen.

Medienerwerb

Spätestens wenn man die Software und den Katalog will, verpflichtet man sich auf die EKZ als Medienlieferanten. Meiner Meinung nach auch durchaus lohnenswert, wenn es um Folierung/Verstärkung/Nähen (Taschenbüchereinband) geht, diskussionswürdig aber, wenn zusätzlich noch Signaturen, Katalogdaten und Barcodes bezahlt werden müssen – so üppig sind die Budgets dann üblicherweise auch nicht. Prinzipiell kann auch direkt und unabhängig bei der EKZ bestellt werden, außerhalb der Kooperation gibt es dann aber ggf. Probleme bei der Auftragserteilung (die berüchtigten VOL-Scheine bzw. verbindlichen „Vorzugsdienstleister“).

Außerdem erhält man die günstigeren HÖB-Konditionen bei der EKZ für diese Leistungen (neben den ohnehin üblichen 10% Rabatt, den auch der Buchladen um die Ecke gewährt). Allerdings muss alles über die SBA als Mittelsmann bestellt werden. Ist diese stark ausgelastet und rechnet man ein, dass die EKZ erfahrungsgemäß ohnehin schon sehr viel Zeit braucht, dann sind schöne Ideen wie monatliche Bestellungen (und „stetiges Anfüttern“ statt „Zuschütten“ der Schüler) unmöglich. Im besten Fall schafft man zwei, vielleicht drei Bestellungen im Halbjahr und die nur schwer abgepasst auf gute Termine wie z.B. vor den Ferien. Mein letzter Fall war: Bestellung vor den Märzferien, Lieferung Ende Mai – selbst wenn man das lange unbemerkt empfangsbereite, aber druckunfähige Fax bei der Arbeitsstelle als Verzögerungsfaktor abzieht, ist der Zeitrahmen dennoch nicht ungewöhnlich. Die Lieferung läuft übrigens (für die Projektbibliotheken) per Behördenpost, die aber in den Ferien stillsteht und die schweren Pakete nicht unbedingt priorisiert bei allem, das danach an Post anfällt.

Für Geschenke/Sachspenden gilt dies übrigens auch. Einen Teil der Einarbeitung der EKZ halte ich, wie gesagt, für sehr sinnvoll – meine privat der Schubi direkt geschenkten Taschenbücher halten nicht ohne Weiteres viele Ausleihen durch. Aber in der Konsequenz bedeutet dies: an die SBA schicken, die schickt es an die EKZ und viele Wochen später steht es dann tatsächlich in der Bibliothek/im Katalog und dann kommt eine Rechnung für das Geschenk. Man kann auch selber Einschlagen, mit Signaturen und Barcodes versehen und mal zwei, drei Titel per Mail in den Katalog eintragen lassen; bei Hardcovers eigentlich auch nicht das Problem. Allerdings sollten es dann auch nicht mehr als diese handvoll werden, um nicht doch an die SBA schicken zu müssen.
Sind dann Geldspenden besser? Vielleicht bei gewissen Organisationsformen; meine Schule stellt zum Glück einen recht üppigen Etat bereit (bei all den Wünschen und Bedarf ist mehr natürlich immer besser), aber auf das offizielle Konto für den Rechnungsbegleich kann nicht direkt eingezahlt werden…

Direktbestellungen bei und/oder – Lieferungen durch die EKZ, ebenso wie das Sparen von Signaturen, Barcodes und Katalogdaten durch Selbsteinarbeitung  (absolut zu leisten bei dem üblichen Bestellaufkommen im Regelbetrieb) sind laut SBA jedenfalls nicht diskutabel. Einzig Rechnungen erhält man von der EKZ direkt. Warum nicht wenigsten die Medien direkt geliefert werden können, wenn ohnehin nur Katalogdatendateien eingespielt werden müssen (Anhängen von Exemplaren ist auch in Schubis möglich), erschließt sich mir nicht, selbst wenn es bei einigen (wenigen) Medien, z.B. für die Oberstufe, noch kleinere Nachbearbeitungen bei der SBA anfallen. Die wären mit den entsprechenden Materialien aber auch vor Ort in der Schulbibliothek zu leisten.

Die Zusatzkosten belaufen sich für alle Leistungen übrigens auf 4,- bis 5,- EUR, ob nun das günstige Taschenbuch für sechs Euro oder das teure mehrteilige Hardcover von der Jugendbuchsverlagsmafia (immerhin werden Bücher-Renner im Umfang von der „Unendlichen Geschichte“ nun regelmäßig als drei einzelne Bücher und zunächst nur als Hardcover verkauft; ob das eine gute Zielgruppe für die Refinanzierung anderer Titel ist, sei hier mal dahingestellt).

Systematik

Wer schon in einer Hamburger Bücherhalle war, der kennt die Systematik(en). Wer nicht, der kann in meinem „Katalogüberbau“ gucken: katalog.goethe-hamburg.de (die alte Version gibt es noch deutlicher wider); also „Unterhaltung“, „Mittelstufe“ und „Oberstufe“ sind die Signaturen, die man bei mir alle auf 122m2 findet. Laut der Kooperationsvereinbarung begrenzt sich das Angebot für Leasingbibliotheken bis inklusive Klasse 8. Für die Ida-Ehre-Schule (Pilot) wird aber jetzt noch ein Oberstufenausbau geplant, d.h. das ist nicht grundsätzlich ausgeschlossen, wenn man daran interessiert ist – natürlich aber aus eigenen Mitteln finanziert.

Der Kern dieses Abschnittes ist aber, dass man diesen (vielen Teil-)Systematiken bei einer Kooperation zustimmt. Das hängt wohl nicht zuletzt mit der Bestellung und Einarbeitung über die EKZ zusammen. Zu Beginn des Projektes wurde auf meine Nachfrage zumindest mal in Aussicht gestellt, dass man über Alternativen nachdenken könnte (z.B. eine modifizierte ASB oder SfB), praktisch ist dieser Punkt aber ebenfalls wohl indiskutabel. Auf der Pro-Seite steht: zmdst. im Jugendbereich finden sie sich dann auch in der örtlichen Bücherhalle zurecht.

Eine Systematik muss natürlich sein, aber 12-jährigen zu erklären, dass sie bei „e Kinderbüchern Liebe“ und vielleicht auch mal bei „HOEB4U Liebe+Sex“ (ab 13) gucken sollten oder warum es bei „Natur“ (u.a.) die Stellen Bäume/Lebensräume/Pflanzen/Regenwald/Wald gibt und warum man vielleicht auch nochmal bei „U Biologie Ökologie“ gucken könnte, fordert die eigene rhetorische Überzeugungskraft schon heraus. Diplomatisch ausgedrückt (hoffentlich).

Blockausleihen per Behördenpost

Blockausleihen meint größere – bis zu 50 Titel – thematisch zusammengestellte Ausleihen, die gezielt für den Unterricht genutzt werden (1-3 Monate). Jeder Lehrer kann sich eine solche Karte besorgen. Allerdings hatten und haben unsere Projektbibliotheken den Vorteil, dass sie die nicht in der örtlichen Zweigstelle bestellen müssen, sondern über die SBA und per Behördenpost beziehen können. Die Behördenpost ist zwar überhaupt nicht begeistert von großen Paketen, aber insofern man mit ein paar tausend eigenen Medien meist nicht ganze Klassen zu einzelnen Themen versorgen kann, ist das eine tolle Sache. Das Angebot wird von Lehreren gerne genutzt, aber ohne Auto hätte ich es nicht bieten können. Sollte man eine Kooperation erwägen, sollte man mal nachfragen. Schaden kann es jedenfalls nicht.

Inhaltlich Unterstützung (Programmarbeit, Networking etc.)?

In einem Satz: im Wesentlichen bietet die SBA klassischen bibliothekarischen Service (und das nicht unwesentlich letztlich über die EKZ), d.h. Bestandsberatung – und aufbau, Erwerbung, Erschließung, sowie ggf. die Verwaltungstechnik. Toll wäre natürlich „irgendwas“ in Richtung Networking unter einer Adresse wie www.schulbibliotheken-hamburg.de zu realisieren. Der Vorschlag dort beispielsweise die bekannten Hamburger Schulbibliotheken aufzulisten ging unter (es gibt aber eine Liste, der durch die SBA betreuten Schulbibliotheken). Wenn man sich mit den obigen (wenig flexiblen)  Punkten arrangieren kann, dann erhält man eine gute Leistung. Ansonsten wäre der SBA vielleicht auch zu wünschen, dass ihre Leistung innerhalb der HÖB mehr zur Kenntnis genommen (oder priorisiert) und vielleicht durch einen (Stellen-)Ausbau gefördert würde, der eine stärkere Programmarbeit ermöglicht – weia utopisch, aber theoretisch könnte dort sogar ein Lehrer oder BSB-Mensch mit einziehen. Eine relativ kleine Abteilung versorgt immerhin 60 Leasing- und Projektbibliotheken.

Stellenwechsel oder: Ein ganz kurzes Resümee

Ich höre immer wieder, dass viele „Bibls“ sich nicht vorstellen könnten in einer Schulbibliothek zu arbeiten. Dazu kann ich nur sagen, trotz einiger der oben genannten Punkte: bei allen anfänglichen und bestehenden Zweifeln, etwas gefühlt Sinnvolleres und mich selber Voranbringenderes mit einem Haufen junger und älterer Menschen habe ich in meinem Leben (bisher) nicht gemacht – die gute Atmosphäre, selbst wenn nicht alles perfekt ist (aber man ist am Ball), ist sicher bei mir noch ein zusätzlicher Glückstreffer gewesen; und bei aller Kritik gilt das auch für die SBA. Bibliothekare (reformiert die Studiengänge auch in diese Richtung!) können hier an der Wurzel vieler Dinge ansetzen, die vom Berufsethos her wichtig sind. Mit der richtigen Einstellung und  Qualifikation ist das ein sehr lohnendes Berufsfeld. Ich habe das Bildungssystem in meinem Leben jedenfalls nie so gemocht, wie an dieser Stelle.

Aber: Bei der Beschreibung der E8-Stellenschaffungsmöglichkeit habe ich meinen Stellenwechsel bereits erwähnt. Auch deswegen habe ich mit diesem Post so lange gehadert, denn wie authentisch kann der letzte Absatz noch wirken, wenn man sich dann doch davonschleicht? Merkwürdiger Weise kann (fast) jeder die Entscheidung verstehen – impliziert werden dabei Geld und Karriere; und anscheinend sollte man sowas auch aus irgendeinem Grundkonsens heraus gar nicht weiter diskutieren. Dennoch, die Gründe für mein Weggehen lagen ausschlaggebend weder im Geld noch in der „Banalität“ der bisherigen Aufgabe – viel zu oft wird beiläufig erwähnt, man könne doch was „Größeres“, „Anspruchsvolleres“ machen (und das von selber schwer klischeesgeplagten Lehrern und „normale“ Bibliothekaren). Ganz im Gegenteil aber, Schulbibliotheken sind eine enorme Herausforderung, jedenfalls richtig gedacht. Technisch (und da war diese Schule schon sehr paradiesisch) und menschlich (das trau ich mich nach Standing Ovations zu sagen) hab ich vor Ort wohl alles mir mögliche heraus geholt. Auf der inhaltlichen Seite bin ich allerdings nie das Gefühl von Defiziten losgeworden, auch wenn es sicher nicht „unterirdisch“ war und vielleicht eine etwas isolierte Sicht ist. Top Ausleihen, volle Räume und die (überschaubare) klassische bibliothekarische „Verwaltungstätigkeit“ sind sicher nicht der springende Punkt? Aber das Buzzword „Informationskompetenz“, bzw. der „Mangel“ daran, wird in der täglichen Arbeit ein sehr greifbarer Begriff. Hier was zu tun, das halt ich (weiterhin) für entscheidend. In den Köpfen der Schulgemeinschaft hat sich da auch schon viel bewegt und wahrscheinlich wäre Zeit die magische Komponente gewesen ggf. auch bei den eigenen Defizite noch mehr aufzuholen.

Aber dann gibt es ja noch die (anscheinend) bereits vorhandenen Stärken, die zwar auch in einer Schule sehr geschätzt werden, aber doch nicht der eigenen Aufassung der primären Aufgabe entsprechen (einer der ersten Kommentare bei der Stelle war „Ich dachte, Sie sind ein neuer Techniker, weil Sie da immer so an den PCs zugange sind“; irgendwie wie ein Konditor, der erfolgreich Porsche verkauft). Auf etwas eigenwilligen Wegen hat sich dann noch ein Fenster in die Einrichtung geöffnet, die über ein Praxissemster und nach dem Studium mein Topfavorit gewesen ist – und nach den ersten zwei Tagen in der neuen Stelle weiß ich auch nochmal umso genauer warum. In der TUB Harburg geht es nun darum „Werkzeuge“ zu pflegen, zu testen und zu „entwickeln“, statt sie schwerpunktmäßig (mäßig) zu erklären oder mit einem etwas löchrigen Kinder- und Jugendbuchbildungsbackground was für die Leseförderung zu tun (noch zu ein Buzzword). Und das Neue eben in einem Umfeld, das ich bereits kenne, dabei dennoch auch nochmal einen Perspektivwechsel vollziehend. Mit Zweifeln und auch etwas (mehr) Wehmut, hab ich dann meine „nerdigere“Seite gegen die schwache pädagogisch-didaktische abgewogen. Wären die Gefühle anders, hätte ich wohl dreieinhalb Jahre was falsch gemacht. Auf der anderen Seite jedenfalls fühlt sich die Entscheidung zum Wechsel nach zwei Tagen keinesfalls falsch an, ganz im Gegenteil. Und wenn es eine zweite beste Zeit wird, dann ist die aber eben nicht arithmethisch vergleichbar mit der anderen.

Wie man sieht, der Meister der pointierten Aussage (die bei Vermittlungsarbeit sicher auch nicht schadet), bin ich nicht. In diesem Sinne, ich hoffe, die Fahne mit der Idee Schulbibliothek wird weiter, vielleicht etwas sichtbarer, hochgehalten und es finden sich genug (qualifizierte; professionell und persönlich) Leute, die den „Kiddies“ (und den „Paukern“ ;)) das geben, was sie brauchen, weil sie dafür eine Überzeugung hegen.

Und bevor ich nun nach drei Monaten wieder nicht den Entwurfsstatus ändere, sei es drum…