Mai 272012
 

*** Update ***
Drum lese genau, bevor du Nachts um 4h etwas veröffentlichst und dich ungerechtfertig erbost. In den Kommentaren klärt sich, dass ich dem kleinen, aber entscheidenden Wörtchen „nicht“ zu wenig Beachtung geschenkt und damit im Ersten Absatz Blödsinn erzählt habe, bevor ich vom eigentlichen Thema abgewichen bin. Gut, dass ders Blog keine große Strahlkraft hat…
*** Update ***

Eigentlich wollte ich prüfen, wo man Senatsdrucksache 2010/2722 einsehen kann (dort wurde die Gebührenbefreiung für Hamburger Schüler für Ausweise in wissenschaftlichen Bibliotheken beschlossen). Eigentlich wollte ich auch prüfen, wo dieser zurückgenommen wurde, so dass im Hamburgisches Gesetz- und Verordnungsblatt, 2011 (Ausgabe 47) auf Seite 534 plötzlich explizit wieder Schüler allgemeinbildender Schulen genannt werden und damit auch bei der Stabi wieder 20,- für einen Jahresausweis zahlen müssen (den Sinn eines Monatsausweises – für 5 EUR – empfinde ich als zweifelhaft). Und eigentlich wollte ich am Dienstag dann eine Mail an die Stabi oder ggf. einen Abgeordneten verfassen.

Eher aus einer Laune als aus einer Erwartungshaltung heraus, habe ich sie statt dessen vorhin um 0h herum per Twitter angeschrieben. Umso größer die Überraschung, das a) eine Antwort kam und b) der Senatsbeschluss bekannt war und c) die Klärung für nächste Woche in Aussicht gestellt wurde. Allerdings habe ich in dieser Sache Ende letzten Jahres schon mal eine Mailanfrage gestartet. Damals stand die Ausnahmeregelung noch korrekt auf der Webseite, aber vor Ort wussten die Mitarbeiter nichts davon und verlangten trotzdem Gebühren von den Schülern (so von mehreren geschildert). Eine schnelle Antwort kam auch damals, allerdings gab es danach kein Feedback mehr von Schülern…

Da die Gebührenordnung einheitlich für die wissenschaftlichen Bibliotheken ist, es ist immer das selbe Dokument, gilt das natürlich auch für die TUB Harburg, die auch nicht separat auf diese Ausnahme hinweist. Wo ich gerade beim prüfen bin: die HAW ist vorbildlich, wenn es um die Gebühren und den Hinweis auf die erforderlichen Unterlagen geht, wundern tu ich mich allerdings über die Altersuntergrenze von 16. Das Informations- und Medienzentrum (IMZ) der HCU vergisst die Schüler hingegen wieder. Positiv ist dafür wiederum die Bibliothek der Helmut-Schmidt-Uni, die anscheinend von der Gebührenordnung nicht betroffen ist und den Zugang für Stadtleser – inklusive Schülern – besonders einfach gestaltet; hatte ich gar nicht mehr in Erinnerung, dass ich so einfach an meinem Ausweis gekommen bin damals.

Insgesamt empfinde ich es, insbesondere seitens meines Berufsethos her, als sehr bedauerlich, dass ich immer wieder den Eindruck erneuert finde, dass Nicht-Studenten, insbesondere Schüler, draußen gehalten werden sollen. Bisweilen hört man munkeln, in anderen Bundesländern (vielleicht sind es auch eher gallische Dörfer?) sei es gang und gäbe, dass Schüler für Facharbeiten Unibibliotheken besuchen und dort Schulungen erhalten. Hier hört man hingegen eher die Klagen, sie seien so unvorbereitet. Gerade für die Profil-Oberstufen, auch wenn deren Zukunft mit der Ausdehnung des Zentralabiturs nicht rosig aussieht, wären solche (beworbenen, etablierten) Angebote sehr sinnvoll; allerdings habe ich auch nur von der Stabi explizit die Auskunft bekommen, dafür seien keine Gelder vorhanden. Vielleicht eine weitere verpasste Gelegenheit die Eigenständigkeit und die Notwendigkeit von – Achtung, Buzzword – Informationskompetenz zu fördern.

Wenn das Klagen schon einmal begonnen hat, dann kann man die Hamburger Öffentlichen Bücherhallen (HÖB) auch nicht ganz ungescholten lassen. Für den gelegenheitsleihenden Erwachsenen sind die Karten recht teuer. Gerade wurden die Gebühren noch erhöht, begründet u.a. mit dem neuen Service, dass man nun eine Erinnerungsmail für die Rückgabefrist erhält – die postalische Mitteilung dazu hat mich durchaus zum Lachen gebracht. Leihgebühren darf eine Bibliothek naturgemäß nicht nehmen, aber aus irgendeinem Grund war der Service für die Erstellung einer Premiumkarte (Ausleihe auch von DVDs) immer teurer als der für eine Standardkarte, aber nun werden ja beide zusammengelegt. Und man zahlt dann natürlich auch gerne 5 EUR mehr (40 EUR insgesamt), weil man nun auch 70 statt 50 Medien auf einmal ausleihen darf. Zugegeben, besonders teuer ist es nur für Erwachsene. Für Kinder/Jugendliche sind es 5-8 EUR im Jahr und die Überziehungsgebühren sind geringer. Dennoch habe ich mich gerade in den letzten zwei Jahren in der Schulbibliothek gefragt, ob sie wirklich gut begründet – abseits von gefühlten Zwängen – sind (auch gegenüber anderen Gruppen, z.B. Nicht-Erwerbstätigen). Es kommen doch immer wieder welche, die zu Hause kein Internet haben, vielleicht auch keinen PC oder Drucker. Und ich höre öfter den Satz „Ist mir zu teuer“ als „Bücherhallen ne“ (natürlich noch öfter „Gibt es doch alles bei Google“). Ich sehe immer wieder verdrehte Augen, wenn ich das sage, aber ich glaube trotzdem, dass auch so eine geringe Gebühr eine Hürde für diejenigen sein kann, die am meisten von einer freien Ausleihe profitieren würden; für alle anderen wäre es sicher auch eine niedrigere Hürde, die Schwellenangst sollte man vielleicht nicht unterschätzen. Abgesehen von dieser unbelegten Annahme bin ich auch dem Gedanken verhaftet, dass sich eine wesentliche „Existenzberechtigungsgrundlage“ von Bibliotheken aus dem Grundrecht auf freien, unbeschränkten Zugang zu Informationen ableitet (alleiniges Lesen in Bibliotheksräumen ist beschränkend).

Leider konnte ich nur Mittwoch auf dem Bibliothekarstag sein, aber ich wäre zu gerne bei der Podiumsdiskussion Was ist faul im deutschen Bibliothekswesen mit diesen Themen gewesen – nicht allein, aber wesentlich wegen des Themas Gebühren (es werden Eintrittsgelder verlangt?!? Warum gehen Bibliotheken nicht gleich an die Börse, liegt im Trend). Vielleicht sollte der nächste Bibliothekarstag mal unter das Motto Bibliothekspraxis- und ethik gestellt werden, nicht nur als kleines Randthema.

An dieser Stelle, vier bzw. fünf Absätze später als geplant, soll es dann auch mit dem Mosern reichen. Da war so ein Grund, warum diesers (ha) Blog so wenig Aktivität verzeichnet.