Mrz 172009
 

Die Idee ist im Grunde simple, aber eigentlich doch genial: ein Link, der entweder zu einer ganz bestimmten Stelle in einem Webdokument (Zitat) oder zu einer annotierten Version (eigene Kommentare) führt.

Ganz neu ist die Idee – oder eher die Möglichkeit – nicht und ich bin sicher auch schon einmal über den frühen Vertreter dieser Utilities – SharedCopy – gestolpert, aber das Wiederentdecken hat mich doch etwas Aufwand gekostet. Praktisch bei dem Dienst ist, dass man nur ein kleines Bookmarklet benötigt mit dem man dann auf jeder beliebigen (HTML)-Webseite Hervorhebungen setzen und zudem frei platzierbare eigene Kommentare hinzufügen kann. Der Clou ist, dass diese Kommentare auch von anderen wiederum per “Reply” kommentiert/ergänzt werden können und das man Kommentare sehen kann, die Benutzer auf der selben Seite früher hinzugefügt haben. Der Screenshot auf der Startseite von SharedCopy vermittelt das Prinzip schon ganz gut, noch besser das Tutorial-Video. Ein KO-Kriterium ist für mich im Moment, dass ich keine Ahnung habe, wie ich die annotierten Seiten ein wenig sortieren kann, denn nach der Erstellung eines Kontos kann ich zwar meine annotierten Seiten sehen, aber ich habe keine Ahnung, woher die vergebenen Tags kommen oder wie ich diese ergänzen/ändern könnte – und Tags scheinen derzeit prinzipiell die einzige (theoretische) Organisationsmöglichkeit zu sein. Schade eigentlich. Trotzdem ein interessantes Tool, wenn man mal tatsächlich mal andere auf ganz bestimmte Bereiche einer Seite hinweisen will.

Einen etwas einfacheren Ansatz, nämlich ohne Kommentierfunktion, bietet Citebite. Mittels eines Bookmarklets kann man sich einen Direktlink zu einem markierten Textbereich auf einer Webseite generieren lassen. Folgt man diesem Link, dann wird der markierte Text gelb hinterlegt angezeigt, genauso wie bei SharedCopy. Leider funktioniert dies nur mit einem markierten Bereich, nicht mit mehreren (man kann, zumindest im Firefox, mit STRG mehrere unterschiedliche Bereiche markieren). Um mal eben auf eine ganz bestimmte Passage in einem langen Text hinzuweisen ist Citebite aber dennoch ganz brauchbar. Hier mal ein Citebite-Link zu einem alten Beitrag von mir: pages.citebite.com/u1s3c2a3k7mcq.

Wer dem Link gefolgt ist, wird feststellen, dass man ggf. in YouTube & Co Zeiten auf das Problem treffen könnte, auf eine bestimmte Stelle in einem Video hinzuweisen. Zugegeben wohl nicht all zu häufig, aber zufällig bin ich über einen Dienst gestolpert, der tatsächlich eine Möglichkeit dazu bietet: VideoANT (Video Annotation Tool). Die Handhabung ist etwas eigenwillig, aber es reicht tatsächlich, wenn man auf Click Here to launch VideoANT! klickt, und dann eine korrekte E-Mailadresse, sowie den Link zu einem (Flash)-Video eingibt. YouTube-Links funktionieren auch. Sobald man auf Begin Annotating klickt, erhält man eine E-Mail mit dem Link zu dem annotierten Video, ebenso wie einen “Edit-Link”. Die Annotationen werden offensichtlich permanent im Hintergrund gespeichert, was ein wenig irritiert, ebenso wie die leicht “kaputt” formatierte Mail. Wirklich funktioniert hat es jetzt auch nur mit Opera, was aber an meinen Script-, Referrer- und Cookie-Killern im IE und Firefox liegen mag. So hätte ein Zitat im Beitrag realisiert werden können: ant.umn.edu/vav.php?pid=59185673058555.

Es gibt noch eine ganze Menge weiterter Tools in diesem Bereich. Einige sind sehr viel komplexer als die genannten, so z.B. Diigo, welches über das Annotieren hinaus noch mit einer ganzen Menge Management-Features für z.B. Bookmarks und Gruppenarbeit aufwartet, entsprechend aber auch mehr Einarbeitungszeit benötigt. Was man als sinnvoll erachtet, muss wohl jeder selber entscheiden. Einen guten Ausgangspunkt für Testfreudige bietet das Digital Research Tools (DiRT) Wiki mit der Seite zu den Annotation and Notetaking Tools.

Im Zusammenhang mit SharedCopy wies Adrian Pohl bei Twitter noch auf das Konzept der Transklusion gemäß Ted Nelson hin. Erläuternd interessant dazu auch dessen (gescheitertes) Xanadu-Projekt. Es ist insofern einen Gedanken wert, als das annotierte Kopien bei (vergänglichen) Diensten wie SharedCopy nicht das optimale sind und ein “geschickterer Standard” vielleicht (?) wünschenswerter wäre. Ich bin mir nicht ganz sicher, aber das von der EU geförderte Interactive Knowledge Stack (IKS) scheint auch in diese Richtung zu gehen. Eine kurze Übersicht gibt es in S. Groganz Blog: Get a Dose of Semantics: Open Source Contributors Wanted for EU Project.

Über eine kollaborative E-Learning-Möglichkeit (insbesondere Annotation) wurde/wird z.B. auch bei Beluga, dem “Katalog 2.0 Projekt”, nachgedacht. Allerdings wurde einer vorgestellten Lösung gestern dann doch ausgeschlossen: Kein Vogel in beluga. Irgendwann müssen diese ganzen Web 2.0-Betas (”Ist Beta, ich kann nicht haftbar gemacht werden”) aber ja auch mal die Sturm und Drangphase hinter sich lassen. Im Moment, wo jeder noch bei einem anderen Annotations-Tool ist, haben solche Annotationen ohnehin nur einen kurzfristigen Wert – fragt sich, ob ein langfristiger wünschenswert oder erkennbar wäre. Dem Problem der verteilten (Nutzer)-Daten (viele Web 2.0 Accounts) will sich übrigens wohl u.a. das XdbE – Project annehmen (”XdbE is an open, simple, powerful, robust and speedy Global Social Graph aggregator designed for sharing user data between Online Communities over HTTP.“).

Bevor ich noch mehr durcheinander würfel, als in den letzten beiden Absätzen, belasse ich es wohl für jetzt erstmal dabei. :-)


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Mrz 102009
 

Zu schade ums es als Tweet untergehen zu lassen. Greg Linden in seinem Blog: Book review: Introduction to Information Retrieval.

Three search gurus, Chris Manning, Prabhakar Raghavan (head of Yahoo Research), and Hinrich Schutze, just published a wonderful new book, “Introduction to Information Retrieval“.

If you work in search or if you are just the kind of person that reads textbooks for fun, this one is a great one. It not only describes how to build a search engine (including crawling, indexing, ranking, classification, and clustering), but also offers the kind of opinionated wisdom you can only get from people who have had substantial experience using these techniques at large scale.

Hinter dem Link im Zitat verbirgt die Seite des Center for the Study of Language and Information (CSLI) der Stanford University, wo das Buch als Volltext runtergeladen oder online eingesehen werden kann (als pdf oder html). Interessant auch, dass um Feedback zum Buch gebeten wird und das die Onlineversion alle paar Monate aktualisiert werden soll. Außerdem gibt es noch interaktive Übungen, wobei man dann auf dem “Moodle server at the Institute for Natural Language Processing, Universität Stuttgart” landet. Als Gast kommt man allerdings nicht weit, Anmeldung hab ich jetzt allerdings nicht probiert. Quicklink zum PDF for online viewing:

Manning, Christopher D. ; Raghavan, Prabhakar ; Schütze, Hinrich: Introduction to information retrieval. Cambridge : Cambridge Univ. Press, 2008 – ISBN 9780521865715

Wäre sicher auch eine nette Ressource für eines meiner Lieblingsseminare – Wissensorganisation – gewesen. Bis heute crawlen Google und Co auf meinem privaten Webserver (ob dyndns-Adressen wirklich sinnvoll zu indexieren sind?) um meine PHP-Spielerei zu Recall/Precision/Stemming etc. zu finden – erstaunlich. Vielleicht wäre das Buch ein Ansatz um noch mal etwas weiter vorzudringen :-)


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