Aug 172009
 

Kurz vorweg: Einen Vergleich von Open Source OPAC-Software wird man hier nicht finden, dafür aber vielleicht ein paar Anregungen und nützliche Links, wenn man (ganz) am Anfang des Problems steht eine kleine Bibliothek mit OPAC aufbauen zu müssen. Das ganze Geschreibsel ist – wie immer – auch recht organisch gewachsen 😉

I. Die Anfrage

Vor ein paar Tagen habe ich mich mit ein paar Freunden getroffen. Da einer in seinem Schachverein die ehrenvolle Aufgabe übernommen hatte etwa zweihundert Bücher mal ordentlich zu erfassen, fragte er mich, ob ich da einen Tipp bezüglich einer guten unterstützenden Software hätte. Dass überhaupt entleihbare Bücher vorhanden sind, wissen die meisten Vereinsmitglieder gar nicht, aber es gibt eine Website. Insofern wäre es natürlich schön, wenn man dort auf das Angebot (oder besser dessen Umfang) verweisen könnte. Ebenfalls gut wäre, wenn verliehene Bücher irgendwie verbucht werden könnten.

Der ursprüngliche Plan war eine Excel-Datei. Zweihundert Bücher sind nicht gerade die Welt (genau genommen vielleicht ein schmaleres Bücherregal), aber was besseres und ansprechenderes als ein Excel-Ausdruck sollte sich doch finden lassen. Abgesehen davon gibt es unter anderem ja noch Schulbibliotheken oder andere Vereinsbibliotheken, die sicher mehr Medien haben, aber sich sicher auch kein full-blown Integrated Library Management System leisten können bzw. wollen und wo die Arbeit auf ein Teilzeit-Ehrenamt umgelegt wird. So gesehen ist die Frage grundsätzlich interessant, denn wenn man den Bestand um einige (wenige) Dimensionen erhöht, werden Excel- und „Regal-Browsing“-Lösungen immer ungünstiger.

Mit dem Gedanken an eine irgendwann mal gesammelte Linkliste zu Open Source Systemen, der vagen Vorstellung von LibraryThing als Option und einer schummrigen Erinnerung an eine Aussage eines Kommilitonen á la „Ich hab das [ein ähnliches Problem] mit Citavi gelöst“, hab ich den Tipp erst mal vertagt.

II. Die Anforderungen

Zunächst stellt sich die Frage nach den grundsätzlichen Anforderungen an ein Produkt für so eine relativ kleine Aufgabe. Im Grunde handelt es sich hier ja um eine „Mini“-OPL (One Person Library) und für diese werden beim BIB die Checklisten für One-Person Libraries angeboten. Besonders interessant ist dabei die Checkliste Nr. 4: Bibliothekssoftware, allerdings werden dort tatsächlich nur Anforderungen skizziert, aber leider keinen konkreten Softwareprodukte/Anbieter vorgestellt oder empfohlen. Für den vorliegenden Fall geht das Anforderungsprofil aber schon etwas zu weit, weswegen ich mich auf folgende Punkte festgelegt habe:

[x] Kostenlos
Das System sollte als Freeware oder Open Source angeboten werden. Im Zweifel wäre auch noch eine (sehr) günstige Bezahllösung akzeptabel. Insgesamt wünschenswert – sofern die Software nicht bereits absolut perfekt ist – ist auch, dass das System aktiv weiterentwickelt wird.

[x] Systemvoraussetzungen (einfache Installation/Anwendung)
Bevorzugt wäre eine PHP+MySQL-Lösung, da sie nahezu überall einsetzbar wäre, wo bereits eine Website besteht. Ungünstig wäre, wenn noch zusätzliche Komponenten installiert werden müssten. Zum einen wegen des nötigen technischen Know-Hows, zum anderen weil dann ein (Web-)Server mit administrativen Vollzugriff nötig wäre – mit einem günstigen Shared-Hosting-Angebot kommt man dann nicht weit.
Alternativ käme ein rein webbasiertes (Web 2.0) Angebot in Frage, das lediglich einer Anmeldung bedarf.
Eine reine Desktopanwendung käme nur in Frage, wenn sie die Titelaufnahme wirklich einfach gestaltet und irgendeine Möglichkeit bietet das Angebot sichtbar zu machen (anpassbarer Export als Word/PDF/HTML & Co) und nicht nur zu verwalten.

[x] Einfache Katalogisierung
Optimaler und sehr wünschenswerter Weise bietet das System eine Möglichkeit einfach Fremddaten zu übernehmen. Im günstigsten Fall per Z39.50 (oder gar Zing) oder – etwas ungünstiger – aus anderen Quellen, die eine entsprechende API (Schnittstelle) bieten wie z.B. die Amazon Web Services oder LibraryThing-API. Im besten Fall kommt man dann schon mit der Eingabe einer ISBN recht weit und spart viel (ehrenamtlich unvergüteter) Zeit.
Zusätzlich (oder alternativ) sollte man einigermaßen flexibel den Anspruch an die Qualität und den Umfang einer Titelaufnahme bestimmen können. Felder wie Dewey-Klassifikation, Geo-Koordinaten oder Abmessungen des Mediums werden wohl in den seltensten Fällen ausgefüllt werden. Entsprechend sollte man derlei Felder ausblenden/deaktivieren können.
Wünschenswert wären auch gewisse „Fail-Safe“-Mechanismen,  z.B. indem man aus bereits verwendeten Schlagwörtern/Tags wählen kann und nicht die Übersicht verliert und sich schnell mal Tippfehler einschleichen. Eine PND erwartet man aber sicher nicht 😉
Insgesamt ist dies also ein entscheidender Punkt, wenn es um die Überlegenheit gegenüber einer Excel-Lösung geht (natürlich bezogen auf einen wirklich kleinen Bestand). So ein System soll bequemer, einfacher, sicherer und schneller zu dem  Ziel führen den Bestand systematisch zu erfassen.

[x] Import/Export-Möglichkeiten
Der Punkt lehnt an den vorangegangen an. Eventuell sind schon Daten vorhanden oder man will sich die Möglichkeit offen halten später auf ein anderes System umsteigen zu können. Tödlich sind hier proprietäre Speichermethoden ohne Exportmöglichkeit. In aller Regel ist ein Export in ein gängiges Format aber relativ einfach möglich. Charmant ist natürlich auch ein halbautomatische Titelaufnahme, bei der z.B. eine Liste aller ISBNs ausreicht um automatisch Titelaufnahmen aus Drittquellen zu beziehen – so etwas bietet z.B. LibraryThing.

[x] Deutschsprachig
Recht banal, aber häufig problematisch: natürlich sollte die Software deutschsprachig sein oder zumindest eine einfach Übersetzungsmöglichkeit bieten.

[x] Benutzerverwaltung (Ausleihe)
Normalerweise sollten Bücher auch entleihbar sein. Wie das System das regelt, ist vielleicht nicht so wichtig, solange es mindestens feststellen kann „Medium X ist bei Herrn/Frau Y und sollte langsam mal wieder zurück gebracht werden“. Wenn Nutzer Bücher selbst vormerken oder sich Merkzettel erstellen können, dann ist das sicher schön, aber vielleicht nicht gar so eine essentielle Anforderung.

[x] Suchen, Finden, Stöbern (OPAC oder…?)
Ich denke neben der einfachen Katalogisierung, ist dies ein wesentlicher Dreh- und Angelpunkt, der gegen eine Excel (oder anderweitige „lokale“) Verwaltung und für eine Weblösung spricht. Unter anderem kann man so das Angebot recht einfach sichtbar machen, selbst wenn die Bücher an  einem dunklen, allgemein unbekannten Ort stünden. Neben einer Stichwortsuche nach zumindest Autor, Titel und Schlagwort, wäre auch wünschenswert, dass man systematisch durchstöbern kann. Sprich man sollte auch eine alphabetische Liste der vorhandenen Autoren, Titel, Themen und Schlagwörter erhalten können, am besten mit einer Angabe wie viele Titel sich jeweils dahinter verbergen.
Die Suche ist allgemein ein großes Thema und da kann (und wird) sicher viel falsch gemacht. Ohne groß Kriterien festzulegen, würde ich einfach sagen, dass die Software hier eben einfach überzeugen müsste.

Dies wären so die wesentlichsten Punkte in aller Kürze. Punkte wie Erwerb und Statistiken halte ich für eher vernachlässigbar. Wie die obigen Punkte werden diese aber auch in der genannten Checkliste ausführlich behandelt.

III.1 Dann suchen wir mal … webbasiert/Open Source

Allgemeines

Wenn man mit Fokus auf eine webbasierte (hier definiert als  PHP/MySQL) Open Source Lösung sucht, dann wird man recht schnell auf OpenBiblio 0.6.1, Koha 3.0.3 (oder Koha Win32_2.2.9) und PHPMyLibrary 2.2.1.3 stoßen. Für OpenBiblio 5.1.7 gibt es auch eine deutsche Version, bei der die Eingabefelder angepasst wurden, die allerdings auch zwei Versionen hinterherhinkt. Ich habe diese zuerst genannt, da es dazu auch einen Präsentation gibt, bei der die drei Systeme verglichen werden: Kumar, Vimal (2006) : Free/Open source integrated library management systems: comparative analysis of Koha, PHPMyLibrary and OpenBiblio. Abgesehen von Koha stagniert die Entwicklung der beiden anderen Systeme auch etwa seit Veröffentlichung der Präsentation, d.h. sie ist (bedauerlicher Weise) noch recht aktuell. Die angewandten Bewertungskriterien können sicher auch für andere Systeme nützlich sein.

Das sind aber noch längst nicht alle Systeme. Recht schnell wird man auch auf BiblioteQ, VuFind 1.0RC1 und PMB 3.1.27 stoßen. PMB ist übrigens das einzige System, das mal von europäischem Boden (Frankreich) ausgeht – ohne jetzt alle anderen zu genau geprüft zu haben. Noch weiter ergänzen kann man die Liste z.B. bei der englischen Wikipedia unter List of next-generation catalogs. Und wenn man nochmal selber nach Perlen tauchen will, dann kann man natürlich noch bei Sourceforge in der Kategorie Library stöbern (oder vielleicht besser nur OPAC). Da versteckt sich z.B. das interessant erscheinende griechische Produk Opacial (sogar mit Standortraumplananbindung; dummerweise ist die Adminoberfläche rein griechisch) – nebst wohl vielen anderen. Darüber hinaus kann man dann auch noch übers Netz verstreut diverse Module für z.B. Joomla (oBiblioOpac) oder sogar WordPress (Scriblio) finden.

Spätestens jetzt fängt einem der Kopf doch etwas zu schwirren an. Nur allein die explizit (und vielleicht noch einige aus dem Wikipedia-Artikel) genannten zu testen und zu vergleichen, würde viel Zeit kosten. Gerade bei den interessanteren (Koha, VuFind, PMB und BiblioteQ) hakt es auch daran, dass sie weitere oder andere Komponenten als PHP/MySQL benötigen (z.B. Java SDK, PostgressSQL oder die Z39.50-Softwarebibliothek YAZ) und bei Webservern ohne Vollzugriff damit schon aus dem Rennen sind. Allerdings irr ich mich vielleicht und es gibt durchaus sehr kleine Bibliotheken mit „mehr als einer Shared Host-Website“? Abgesehen davon gibt es zwar in der Regel Schritt-für-Schritt Installationsanleitungen, aber vermutlich würde ich mich als Stangenkäufer auch bei der besten Schritt-für-Schritt Häkelanleitung schwer tun 😉
Das nächste KO-Kriterium wäre dann wahrscheinlich, dass es teilweise keine deutsche Version gibt. Wenn man durch die Ordner guckt, dann haben Koha, BibliotQ und VuFind Übersetzungen, PMB und PHPMyLibrary nicht und OpenBiblio nur eine veraltete. Bei OpenBiblio ist zudem schade, dass irgendwann jemand angefangen hat insbesondere bei der Übersetzungslogik in dem ansonsten sehr ordentlichen Quellcode zu schlampen.

Openbiblio

Trotzdem habe ich mich jetzt mit OpenBiblio mit am längsten befasst. Das Feine ist, dass es im Grunde alles mitbringt – Benutzerverwaltung (mit eigens definierbaren Formularfeldern) , Definition von Benutzertypen (Jugendlicher, Erwachsener…), Definition von Medienarten, Definition von Genres mit festlegbaren Ausleihfristen, Ausleihfunktion, Möglichkeit Titelisten und sogar Signaturen mit Barcode zu drucken (leider jeweils nur als PDF; und ob die Signaturen auf irgendeinen Buchrücken passen, steht auch auf einem anderen Blatt). Die Titelaufnahme selbst ist… interessant. Wie die meisten Systeme setzt auch OpenBiblio auf (US)MARC.  In OpenBiblio sind 175 Einzelangaben vorgegeben (potentiell scheinen es aber noch sehr viel mehr zu sein). Nur dummerweise gibt es keine unterschiedlichen Aufnahmeformulare für unterschiedliche Quellen. Allerdings kann man sich theoretisch relativ einfach weitere Formulare basteln, z.B. für „Bücher“ und Zeitschriften. Allerdings müsste man sich dann erst die entsprechenden MARC-Codes raus suchen. Wenn man mehr als „stinknormale“ Monographien korrekt aufnehmen wollte, dann wird es hier also schon ziemlich unkomfortabel. Die Mühe würde sich allerdings auch kaum lohnen, denn die  Suchmöglichkeiten – wie schon die oben genannte Präsentation feststellt – sind sehr begrenzt: Titel, Autor und Schlagwörter. Man kann zwar das Suchfeld frei lassen und erhält dann eine Liste aller Titel, dies ist dann allerdings auch nur nach Autor und Titel zu sortieren. Ein alphabetischer Index für Autor, Titel, Schlagwörter und Genres wäre schon sehr wünschenswert gewesen. Theoretisch wäre auch das relativ einfach selber reinzuhacken (also wirklich quick&dirty), aber schöner wäre natürlich, wenn an der Software weitergearbeitet wird.
Tatsächlich geisterte im Forum auch eine Andeutung auf eine Version 1.0 herum, aber nachdem das letzte wirkliche Update bereits über zwei Jahre zurückliegt, kann man darauf wohl nicht wirklich spekulieren. Das ist wirklich Schade, denn im Grunde sind die Ansätze alle gut. Wenn man will, dann kann man sich mittels Plugins sogar Titel über die Amazon-API und mit Lookup sogar per Z39.50 aus dem GBV ziehen. Letzteres funktioniert, sofern vom Remote-Katalog unterstützt, theoretisch auch per SRU und würde also auch bei „einfachen“ Webservern funktionieren. Das Amazon-Plugin kann recht schmerzfrei ergänzt werden, allerdings sind Amazon-„Aufnahmen“ nicht gerade eine Freude. Die andere Variante ist also interessanter, allerdings handelt es sich nicht um ein Plugin im engeren Sinne, denn man darf erst mal einige Dateien nach Anleitung anpassen. Die Datenbankanpassungen geschehen dann auch nicht über ein mitgeliefertes SQL-Script, sonder man darf die Tabellen im Rohformat im MySQL-Data-Ordner einfügen – autsch. Bisher hab ich es auch noch nicht wirklich ans Laufen gekriegt, da hilft es dann auch nichts, dass die letzte Aktualisierung sogar nur wenige Wochen zurückliegt.
Tja, OpenBiblio. Ich hab dem so viel Raum gewidmet, weil ich denke, dass es eigentlich das gesuchte einfache und schnell aufzusetzende System sein könnte. Wenn absehbar nur „Bücher“ verwaltet werden sollen, dann kann man über die Schwäche bei der Aufnahme sicher hinwegsehen, aber die minimalistische Suche ist dann doch ein ziemliches Totschlagkriterium. Aber vielleicht kommt ja tatsächlich demnächst eine 1.0-Version…

PHPMyLibrary

Bleibt eigentlich nur noch PHPMyLibrary, das noch out-of-the-box läuft. Obwohl es eigentlich einen recht ordentlichen Eindruck macht, schrecken mich da doch einige Dinge ab. Zum einen wäre das, dass es keine deutsche Version gibt. Das wäre noch nicht so schlimm, wenn wenigstens eine einfache Übersetzungsmöglichkeit vorhanden wäre, aber das scheint nicht der Fall zu sein. Zudem gibt es keine echte Dokumentation, auch nicht zum Quellcode. Da frag ich mich dann doch, warum die Hälfte der Einstellungsoptionen im entsprechenden Menüs nicht verlinkt sind. Die letzte Aktualisierung liegt zudem drei Jahre zurück. Um es kurz zu machen: das wäre mir zu viel Aufwand mich da rein zu fummeln.

Koha Demo (Und nun?)

Obwohl ich weit davon entfernt bin einen vollständigen Überblick über alle Angebote zu haben, würde ich soweit für mich aber doch feststellen, dass es kein wirklich attraktives Do-it-yourself-Angebot für eingangs skizziertes Miniprojekt gibt, welches eine gute Balance zwischen Simplizität und Funktionalität bietet. Das gilt jetzt natürlich nur für die Produkte, die ohne besondere Ansprüche laufen. Leider konnte ich sie entsprechend auch nicht alle mal eben testen, insbesondere weil alle die YAZ-Bibliothek oder PostgressSQL benötigen.

Koha wäre aber doch nochmal interessant (meine Güte – das Ding kommt als 370 MB-Bolide daher).  Glücklicherweise kann man sich das unter liblime.com als Demo mit allen Funktionen mal ausprobieren (Version 3.01.00.037). Soweit ich das sehen kann, darf man wirklich fast alles machen, die Sprache ist aber auf Englisch begrenzt – wohl auch sinnvoll bei einem Demo-System. Das sieht schon wirklich gut aus, aber für wirkliche kleine Projekte wäre es doch ein Overkill.

III.2 Dann suchen wir mal … webbasiert/“Web 2.0″

Seit einer Weile ist auch Social Cataloging ein Begriff. Deutschsprachig (mehr oder weniger) präsentieren sich hier aNobii, weRead und LibraryThing. Von den dreien ist LibraryThing der einzige Dienst, der kostenpflichtig ist (bzw. wird, wenn man die 200 Titel-Grenze überschreitet). Sehr schick ist das automatische „Katalogisieren“ – einfach eine Textdatei mit ISBNs hochgeladen und nach etwa einer halben Stunde hat man seine Bücher im System, aber wohl auch sein Limit der kostenlosen Einträge gesprengt. Nun kann man 10$ im Jahr oder 25$ für eine lebenslange Mitgliedschaft ausgeben. Als OPAC-Notlösung taugt es aber eigentlich nicht, denn weder kann man seine Bücher wirklich ordentlich Organisieren, noch hat man selber Einfluss auf die Titelaufnahme – abgesehen von der Vergabe von Tags. Man kann seine Bücher zwar in Sammlungen zusammenfassen, Listen ausdrucken und Widgets in die eigene Website einbinden, der Hit ist das aber – meines Erachtens – nicht. Wenn man „Lesernetzwerke“ gründen will, dann ist es sicher interessant, aber die Idee einer Behelfsbibliothek würde ich doch ganz schnell wieder verwerfen.

III.3 Dann suchen wir mal … Desktopanwendungen

Im Grunde dürfte dies die schlechteste Lösung sein, da solche Programme mehr oder weniger zwingend nur vom Bibliothekar (bzw. dem Verantwortlichen ;)) verwendet werden können. Kein Nutzer kann von außen (Internet) recherchieren und normalerweise arbeiten solche Programme auch nicht mit Benutzerrechten, also beispielsweise ein Nutzer nur Suchen, nicht aber einen Titel ändern kann, wenn man dafür einen PC bereitstellt. Wenn es anders ist, dann sind wir wohl schon bei einem richtigen Bibliothekssystem.

Im Grunde sind wir hier wohl bei einem besserenExcel. Da ich für mich privat vor einiger Zeit mal recht intensiv nach entsprechenden Freeware-Angebote gesucht habe, kann ich einigermaßen zuversichtlich sagen, dass es da nichts gibt mit dem man wirklich glücklich würde. Prinzipiell empfehlen kann ich allerdings Book Collector, dass jedoch in der Standardvariante 25€ und in der Pro-Version 40€ kostet. Bei dem Programm sollte kaum ein Bibliothekar wirklich was vermissen können. Ich spar es mir an dieser Stelle auf all die Features genau einzugehen. Wichtig finde ich drei Punkte, die das Programm zu einer ganz guten und relativ günstigen Lösung machen können. Erstens kann man Titel schnell vollständig und korrekt durch Angabe von ISBNs automatisch aufnehmen. Zweitens kann man sehr flexibel Listen drucken. Drittens können Listen auch (dem eigenen Bedürfnissen angepasst) als HTML-Seiten ausgeben werden. Diese sind zwar statisch und ohne Suchmaske, aber immerhin könnte man sie dennoch recht einfach online bringen. Angepasster Listendruck und HTML-Export sind allerdings Pro-Funktionen. Wo ich gerade bei den Features schaue, sehe ich, dass man auch read-only-Versionen installieren kann – quasi ein kleiner OPAC vor Ort also.

Wirklich sexy ist die Lösung nicht – es sei denn man kann sich für ausgedruckte Listen oder statische HTML-Seiten begeistern. Abgesehen davon muss irgendwer auch die 40€ bezahlen – da sollten aber schon einige Regale gefüllt sein 😉

IV. Nun steh ich hier ich armer Tor….

und bin schlauer als zuvor. Trotzdem habe ich für mein konkretes Problem keine gute Lösung gefunden. Excel ist zwar eine echte Büroseuche und wird für alles mögliche missbraucht, aber vielleicht wäre es in diesem Fall nicht die schlechteste Lösung. Aber man kann sich bei so wenig die Arbeit etwas erleichtern:

  1. Erstelle eine Textdatei (ISBNs.txt oder so)
  2. ISBNs der vorhanden Bücher reinhacken (eine ISBN pro Zeile)
  3. Zu www.librarything.de gehen
    • Benutzerkonto erstellen
    • Gehe zu „Bücher hinzufügen“
      • Klicke unter „Andere Wege, um Bücher hinzuzufügen“ auf „Bücher importieren“ (direkt: www.librarything.de/import.php)
      • Datei auswählen und auf Importieren klicken
      • Warten… 😉
  4. Wenn der Import durch ist zu „Werkzeuge“ (rechts oben) gehen
  5. Die Datei kann mit Excel geöffnet werden und enthält dann Titel, Autor, ISBN, Verlag und Serientitel – wirklich mehr ist es nicht, aber naja – reicht ja auch
    • Die Datei mit Excel öffnen und nach Wunsch anpassen (STRG+H ist evtl. ein guter Anfang ;))

Theoretisch kann man die Datei auch in Access importieren (sofern vorhanden) und sich dort relativ einfach (Druck)-Berichte erstellen. Natürlich könnte man sich in Access auch mehr schaffen, wenn man sich damit auskennt… 😉

Wirklich schön ist die Lösung nicht, aber für <1000 Titel lohnt sich wohl kaum irgendwas anderes. Trotzdem werde ich das Gefühl nicht los, dass es doch besser gehen müsste. Vielleicht hat ja noch jemand eine gute Idee? 🙂

Für >1000 hab ich gerade noch etwas sehr feines gefunden – glaub ich. Das guck ich mir gerade mal genauer an, schreib aber besser dann nochmal auf einem leeren Blatt Papier was dazu 😉

Bleibt eigentlich nur noch die Frage – aus Neugier – was eigentlich die (kommerziellen) Klassiker kosten würden. Welche sind das überhaupt? Mir fallen spontan nur Aleph (Ex Libris), PICA (OCLC) und Allegro-C ein. Abgesehen von Allegro findet man (ich) bezeichnender Weise keine Preise für die Systeme auf den Herstellerseiten. Allegro-C geht preislich ja noch, aber der Hinweis „Nutzungsrechte können nur Einrichtungen der öffentlichen Hand erteilt werden.“ ist etwas versteckt. Nun, so neugierig auf die anderen Preise bin ich dann im Moment doch nicht… 😉

  11 Antworten zu “Bibliothekskataloge/OPACs für alle?”

Kommentare (7) Pingbacks (4)
  1.  

    Hier hätte ich noch eine Alternative für Bestände < 2.000 Titel:
    must.de/perpustakaan_light.html
     

  2.  

    zu Allegro-C wäre noch anzumerken, dass es eine Demo Version gibt. Sie entspricht der Funktionalität der Vollsversion, man allerdings nur bis 1500 Titel speichern. Danach bräuchte man die Vollversion. Wobei das bei deinem Beispiel reichen sollte… Bleibt die komplizierte Bedienung und meiner Meinung nach mäßige Dokumentatition. Es ist zwar alles akribisch aufgeschrieben, aber gerade das macht es etwas zeitaufwändig. Das handbuch hat fast 400 Seiten…

  3.  

    „Durcheinander“ ist relativ; „organisch gewachsen“ halt. Zu MARC mach ich doch gar keine so konkrete Aussage 😉

    Aber Links sind immer gut 🙂

  4.  

    Ist da nicht einiges durcheinander gekommen? Vufind ist ein OPAC replacement. PMB unterstüzt lediglich UNIMARC. Ohne Root – Server bleiben lediglich klassische Reference-Manager übrig.
    FYI: auf www.libit.ch habe ich einige Artikel zusammengestellt.
    Gruss, Stefan

  5.  

    Kleiner Nachtrag. Da gab es ja noch die Bachelorarbeit Reimann, Katlen (2008): Aktuelle Marktübersicht des Bibliothekssoftwaremarktes in Deutschland unter Einbeziehung von Open Source Produkten. Allerdings ist Open Source etwas übertrieben, denn es wird nur kurz OpenBiblio genannt. Dafür werden aber wirklich viele kommerzielle Angebote aufgeführt.

  6.  

    Ah, danke für den Hinweis! Vielleicht wirf man erst oben auf die Online-Version einen Blick und wenn man dann angetan ist, ist das sicher eine super Sache zum Weitertesten – sind ja immerhin 600 MB runterzuladen 🙂

    Und noch eine kleine Ergänzung zu KOHA. Infobib berichtete heute morgen über die Erste norwegische KOHA-Installation

  7.  

    Hi,
    Koha kann man sich übrigens auch als virtuelle Maschine herunterladen, hier die Anleitung
    Dann kann man auch versuchen die deutsche Sprachversion einzustellen, aber stimmt, kann schon sein dass Koha ein bisschen überdimensioniert ist..
     

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