Dez 312006
 

Bei The Daily WTF – Curious Perversion in Information Technology wird in der Virtudyne Saga sehr amüsant beschrieben, wie die Idee, das perfekte Konkurrenzprodukt zu MS Office zu schaffen, vor die Wand gefahren wird und dreistellige Millionebeträge sich dabei verflüchtigen. Nach x Jahren wurde das einzige Geschäft mit der Stadt abgewickelt, welche es in ihren Bibliotheken nutzen wollte, später aber auch wegen der Mängel vom Vertrag zurücktritt.

Es läuft also nicht gut und im Teil IV der Sage The Digital Donkey kommt das Sales Team dann auf die geniale Idee eine portable Version für Indien mit all seinen kleinen Dörfern zu entwickeln. Erreicht werden sollen diese mit einem digitalen Esel, ausgerüstet mit PC, Satelitenschüssel fürs Internet und was man noch so für die globale officegestütze Kommunikation im 200-Seelen Dorf benötigt. Zahlen sollten schließlich die Kommunen vor Ort.

Insbesondere mit der Illustration des „eDonkey“ wirkte es dann aber wirklich unglaubhaft, weswegen sich der Autor wohl genötigt sah auf das Projekt Donkey Drawn Mobile Library Services (von 2002) der IFLA in Zimbabwe hinzuweisen.

The Donkey Drawn Libraries were developed to provide library extension and outreach services to remote communities in the Nkayi District in north-western Zimbabwe. It is estimated that the literacy rate in this district is around 86% and this is largely attributed to the established and emerging library services.

Das ist doch schon recht beeindruckend. Die IFLA in der Rolle des Entwicklungshelfers – das war mir gar nicht so bewußt. Na, auch im alten Jahr noch was neues gelernt 🙂

Dez 312006
 

Das ist mal ein eine Schlagzeile, welche Bild Konkurrenz machen könnte. Sie stammt aber nicht von mir, sondern fiel mir heute in einer Signatur eines Moderators im Winhelpline-Forum auf (ich bin dort seit fast sechs Jahren als Moderator dabei). Genaugenommen lautet sie mit entsprechendem Link Nationalbibliothek per Gesetz deutscher BigBrother (Gesetzestext, siehe §§ 2, 3, 14 + 15!).

Ich muss gestehen, dass ich erst mal verblüft war – hatte ich etwas ganz essentielles verpasst? Bei der Durchsicht der Paragraphen erschienen sie mir eigentlich nicht besonders die Privatsphäre kompromittierenden. Also hab ich mal geguckt, ob ein entsprechender Beitrag existiert und fand diesen dann unter dem Betreff Gesetz beschlossen und keiner hat’s gemerkt – oder doch? Ich war doch erstaunt, wie sehr das DNB-Gesetz misinterpretiert werden kann. Außerdem klingen auch einige andere grundsätzliche Mißverständnisse bezüglich Bibliotheken an (z.B.: Ist der Inhalt des Gesetzes wirklich so neu? Kostet die Ausleihe?). Obwohl es ja schon reichlich spät war, konnte ich das so ja nicht stehen lassen – Bibliotheken haben ja vielleicht ihre… „planungstechnischen“ (?) Probleme, aber sie ist eine Institution, welche auch (oder insbesondere) eine wichtige Funktion in einer demokratischen Gesellschaft erfüllt – wohl kaum jemals ein Big Brother. Meine Antwort ist in obigem Link auf den Beitrag im Forum zu finden oder in diesem Blogeintrag (bereinigt von meinem ausuferndem Zwang Smileys zu verwenden).

Tja, stellen sich mir (bis jetzt nur) drei Fragen:

  1. War die Antwort gut (inhatlich korrekt, Umfang – eher wohl wieder zu viele Abschweifungen, schlüssig) – man (ich) trifft aber auch eher selten auf solche Fragen im „freien Feld“? [oder sollte ich doch lieber in einer Schlaflosigkeitsphase sowas „fabrizieren“?)]
  2. Ist diese geäußerte Befürchtung (Interpretation) eigentlich ein Einzelfall?
  3. Wieviele mögen solche – grob umrissen und abgesehen von der derzeitigen Umsetzung – Harvesting-Projekte (oder gar das Sammeln allgemein) durch Bibliotheken als Verschwendung ihrer Steuergelder wahrnehmen. Ich hatte immer den Eindruck, dass selbst „Nichtnutzer“ von Bibliotheken, diese im Schnitt trotzdem als grundsätzlich sinnvolle Einrichtungen erachten.

Nunja, ich belasse es mal dabei und schau mal, ob mir gleich im Bett wieder der Kreislauf in Schwung gerät, weil mir da noch was zu einfällt – oder morgen, weil man solche Sachen vielleicht besser nicht des Nachts abhandeln sollte 😉


Meine Antwort im Forum

Oh, bin gerade erst auf Melodics Signatur aufmerksam geworden. Da ich ja nun auch noch Bibliotheks- und Informationsmanagement studiere, kann ich dazu nicht schweigen.
Als erstes weise ich auf den hilfreichen und guten C’t-Artikel Lebenskonserve – Neues Gesetz: Nationalbibliothek soll Netzinhalte archivieren hin.

Der weist z.B. darauf hin, dass es das Pflichexemplargesetz „bisher schon für Buch- und Zeitschriftenverlage sowie andere Medienproduzenten galt“ und im wesentlichen eine Ausweitung des Sammelauftrages auf „‚Medienwerken‘ […], die in ‚unkörperlicher Form‘ vorliegen“ stattgefunden hat. Schonmal aufgefallen, dass quasi in jedem Buch auch eine CIP-Aufnahme enthalten ist?

Im Abschnitt Jäger des digitalen Schatzes heißt es

So sollen in die erweiterte Ablieferungs- und Sammelpflicht zunächst diejenigen Publikationen einbezogen werden, die es in ähnlicher Art auch in der Welt der gedruckten Medien gibt, also etwa elektronische Tageszeitungen, Magazine und Monografien, Lexika und andere Nachschlagewerke.
Darüber hinaus sollen aber auch andere Websites gesammelt werden, deren Informationsgehalt über reine Öffentlichkeitsarbeit, Warenangebote, Arbeitsbeschreibungen sowie Bestandsverzeichnisse oder -kataloge hinausgeht.

Im wesentlichen, und ich denke das betont der Artikel recht gut, geht es um den Erhalt des Kulturerbes im weitesten Sinne. Vereinfacht kann man sagen, das was ver[I]öffentlich[/I]t wird und damit für mehrere zugänglich (und „bedeutsam“) ist, auch erhaltenswert ist. Das das ganze – und 1984 ist eines meiner Lieblingsbücher – nichts mit Big Brother (das ist eher sowas wie der „Lauschangriff“ oder der „Patriot Act“) zu tun hat, ergibt sich aus dem, dem Artikel folgenden, Interview mit Frau Ute Schwens (Direktorin der Deutschen Nationalbibliothek):

Frage C’T
Viele der Inhalte, die Sie einsammeln wollen, sind urheberrechtlich geschützt. Unterlaufen Sie nicht diese Rechte, indem Sie die Werke öffentlich abrufbar machen?

Antwort Schwens
Schwens: Die Ablieferer müssen uns so genannte Metadaten mitschicken. Dabei handelt es sich insbesondere um technische und rechtliche Informationen. Wir fragen beispielsweise ab, welche Nutzungsrechte uns eingeräumt werden und ob wir die Werke der Öffentlichkeit verfügbar machen dürfen. Wir wollen nicht verlegerisch tätig sein und Entgelte von unseren Nutzern verlangen. Dafür hätten wir auch keine Abrechnungsschnittstellen. Wenn wir keine Erlaubnis zum Abruf der archivierten Web-Inhalte über unsere Online-Recherche-Tools erhalten, werden sie eben nur in der Präsenzbibliothek zugänglich sein.

Ich hoffe, dass ich die Sorgen hiermit etwas entkräften konnte. Im übrigen erkennt man ja aus dem Artikel und dem Interview auch, dass die ganze Sache ohnehin einen ziemlich aktionistischen, unausgereiften Status bezüglich der Umsetzung hat (viel Spaß bei der ordentlichen Erschließung – schließlich wolle wir ja nicht in 100 Jahren á la Google-Volltextrecherche billiarden Dokumente durchsuchen oder). Naja, so sind Bibliotheken eben – schon mal von Web 2.0 gehört? Und von Library 2.0?

Und ansonsten: Sollte von euch mal einer ein Buch schreiben, dass veröffentlich wird, damit Ablieferungspflichtig und vielleicht zusätzlich von einigen örtlichen Bibliotheken gekauft, dann bezahlen die ja immer noch die Bibliothekstantiemen – und damit letztlich euch.

Da sich auch jemand darüber aufregte, dass die Abgabe kostenpflichtig sei, wende ich mal ein, dass das i.d.R. der Verlag übernimmt. Das bei Internetdokumenten eher über ein Harvesting als praktikable Lösung nachgedacht wird ist dem Artikel zu entnehmen. Ich muss aber auch der Aussage von quman (und dem vorangegangenen Post) widersprechen, dass „eine Bibliothek verleiht nicht’s umsonst – auch nicht die Bibliotheken mit den gedruckten Büchern“. Das tut sie wohl, denn sonst würde sie nicht verleihen, sondern vermieten und damit wären wieder ganz andere rechtliche Rahmenbedingungen gesetzt. Es gibt sicher auch mache Diskussionen, ob das so konkret zutrifft, aber im Grundsatz gilt, dass Bibliotheken kostenlos leihen und nur eine Bearbeitungsgebühr kassieren. Öffentliche Bibliotheken haben da teilweise schon – meiner Meinung nach – bedenklich hohe Gebühren für Ausweise und teilweise (nicht immer) pro ausgeliehenem Buch und das ist gewiss auch ein durch Einsparungen provozierter Vorgang (Bibliotheken werden freiwillig von den Kommunen getragen, ein verpflichtendes Gesetz zur Bereitstellung von Bibliotheken gibt es nicht – höchstens sehr indirekt über Artikel 5 des Grundgesetzes). Fairer Weise muss man aber z.B auch anmerken, dass Studenten i.d.R. quasi wirklich kostenlos an ihr Materialien kommen – das ist aber wiederum auch genauer in den Landeshochschulgesetzen genauer geregelt.

Also nicht auf Bibliotheken kloppen – wer weiß wie „erschwinglich“ und zugänglich „Information“ zukünftig sonst sein wird. Ganz andere Gesetze als das DNBG sind da viel bedrohlicher – unsbesondere die Änderung des Urheberrechtsgesetzes. Nicht umsonst fügt die Deutsche Zentralbibliothek für Medizin ihren E-Mails an Kunden nun folgenden Satz an:

„Möchten Sie zukünftig 30 Euro für die elektronische Lieferung eines Zeitschriftenartikels zahlen? Diese Gefahr ist Realität!“

Dieser Medlib-Blogeintrag fast das kurz zusammen. Oder wie es ist mit dem Paragraphen 52a Öffentliche Zugänglichmachung für Unterricht und Forschung, dessen Anwendung zwar nun auf 2008 verlängert wurde, dessen Schicksal aber nicht gewiss ist.

Also im schlimmsten Falle ist man ~2009 Student [zahlt ~500€ Studiengebühren], muss sich sämtliche Lehrmaterialien selber kaufen [52a] und kann sich studienwichtige Artikel nicht von der Bibliothek zuschicken lassen (Fernleihe), wenn Verlage diese selber kommerziell anbieten. Und dann darf der arme Student nicht mal seine teure CD in MP3 konvertieren, um wenigstens etwas Aufheiterung unterwegs zur Uni zu haben, weil er damit einen Kopierschutz umgehen würde…

Zumindest erlaubt mir das UrhG aber noch das Zitieren [§51] um ein bissel Licht ins Dunkel zu bringen – auch wenn die Quellenangaben nicht so ganz Eins A sind

Damit kein falscher Eindruck entsteht: Das Urheberrecht ist eine wichtige Grundlage. Trotzdem sind Einwände, wie sie in der Göttinger Erklärung zum Urheberrecht für Bildung und Wissenschaft erhoben werden, von ganz entscheidender Bedeutung – meiner Meinung nach.

Dez 292006
 

Ich oute mich hiermit als Star Trek Fan – allerdings mehr oder weniger ausschließlich Next Generation. Die Macher haben wohl gerne auch mal in Zeitschriften wie Nature und Science geblättert und sind dabei über solche Ideen wie der Raumkrümmung (Warp-Antrieb), Quantencomputer (Miss Bordcomputer) oder in den Raum projezierte Hologramme (Holodeck) gestolpert. Auch die Idee des Beamens fand wohl jeder irgendwie ganz lustig, wenn auch vernünftig betrachtet fern der Realität. Persönlich fand ich aber auch immer diese kleinen „eBook-Reader“ (hatten die nen Namen) mit den Captain Picard nach einem harten Tag voller Raum-Zeit-Anomalien und „Resistance is futile, you will be assimilated“-Männchen ins Bett ging.

Mittlerweile hat der Raum nicht allzu stringente 11 Dimensionen (mal mehr oder weniger), der Quantencomputer ist ein Thema in der C’t und Holodecks sind so absurd auch nicht mehr. Selbst beamen über die Donau ist möglich – solang nicht nur die Anwesenheit in Form von Quantenzuständen bei der Arbeit gefordert ist, sollte man die Bahn dennoch nicht verpassen.

Was aber ist aus diesem praktischen kleinen „eBook-Reader“ von Cpt. Picard, den man sich in die Hosentasche stecken, welchen man mit Shakespeares Werken vollstopfen kann und welcher beinah das Look’n’Feel eines (einseitigen) Buches hat, geworden?

Tja, da gibt es „unendliche Weiten“ von Formaten (22 bei Wiki aufgelistet), Softwarereadern und sogar eine ganze Menge freier sowie komerzieller Anbieter (mit wechselnder Palette der verschiedenen Formate). Bei den Formaten tut sich vielleicht was mit dem Open eBook Publication Structure (OEBPS). Aber neben den eigentlichen Formaten verkompliziert sich das ganze noch – insbesondere bei den kommerziellen Anbietern – über verschiedene Lizenzbedingungen. Normalerweise erhält man, im Gegensatz zum Printpendant, nur Nutzunglizenzen, d.h. man darf (kann) die Werke nur auf einer begrenzten Zahl, meist zwei: für PC und den portablen Reader, von (eigenen) Lesegeräten einsetzen. Außerdem darf man sie teilweise nicht verleihen und ausdrucken ist in den meisten Fällen untersagt oder gleich ganz unterbunden.

Ok, im Grunde ist das alles noch nachvollziehbar, obwohl man sich vielleicht intelligentere Lösung, gerade beim Verleihen, vielleicht wünschen würde. Eine meines Erachtens intelligente Lösung für Bibliotheken (z.B. TUB Hamburg-Harburg) bietet Wiley mit dem Roaming Access an. Im Grunde muss man innerhalb der Bibliothek sich einmal ein Konto einrichten, das Roaming aktivieren und dann kann man für etwa 6 Monate (war jedenfalls sehr lang) auch von außerhalb Bücher „ausleihen“. Netlibrary, ebenfalls bei der TUBHH, ist da erheblich unflexibler. Leiht ein Benutzer das Buch aus, dann ist es für andere für die Dauer von 2-8 Stunden (will man es länger nutzen, dann muss man die Ausleihe immer wieder erneuern) anderen Nutzern nicht verfügbar – quasi wie bei den Print-Verwandten. Die Konzepte von Wiley und Netlibrary zusammengenommen wären doch eine interessante (komplizierte?) Idee für die Nutzung von kommerziellen eBooks. Nutzung…
Tja, die Nutzung – da wird es wirklich kompliziert. Entsprechend den Formaten braucht man ja schließlich ein Lesegerät. Beim Computer ist das leicht über die Installation entsprechender Reader-Software möglich, aber im Grunde will ich ja eben nicht am PC lesen müssen. Mir als Nutzer bleibt es aber, trotz (einigermaßen) intensiver Suche, schleierhaft welche Geräte eigentlich wirklich für e-Books taugen. Letzlich landet man immerwieder bei PDA’s, aber auch wenn ein Palm TX Handheld mit seinem kippbaren Display einen guten Eindruck macht, dann wird nie auf die E-Book-Tauglichkeit eingegangen. Mal davon abgesehen bringt so ein Gerät tausend Funktionen mit, welche ich eigentlich gar nicht brauche und ist dementsprechend teuer. Erfahrungsgemäß fallen einem die Haken bei neuen Geräten (für „neue“ Anwendungen) ja immer erst nach Kauf des ersten Modells auf. Soweit ich das sehe, sind einige vorab zu erkennenden Haken, dass die meisten Geräte noch zusätzlich Speicherkarten brauchen, je nach Betriebssystem nicht alle Reader-Software installierbar ist, womöglich die Akkulaufzeit… dann bleiben noch die Sachen, die man eben erst bei der Anwendung bemerkt.

Eigentlich müsste es aber doch „einfache“, spezialisierte E-Book-Reader geben – sowas wie Picard hat halt. Unter E-Book devices findet man bei Wikipedia auch tatsächlich solche Geräte. Mit dem Sony Reader (auch ein Bild dort) sogar welche, die ePaper-Technologie verwenden, bei denen also nicht permanent Strom zum Erhalt des Displays nötig ist (wenn dann das Micro Energy Harvesting (3sat-Nano dazu) in eine heiße Phase geht, brauchen wir vielleicht nichtmal mehr Batterien). Die Liste der Geräte bei Wikipedia ist aber nicht gerade beeindruckend lang. Zudem sind die meisten verfügbaren Geräte nicht älter als zwei Jahre, es scheint also alles – erstaunlicher Weise – noch sehr in den Kinderschuhen zu stecken.

Wirklich schade. Ich gehört sicher nicht zu den Leuten, die am Papier hingen (man kennt dies Argument ja in der ein oder anderen Form), wenn die Alternativen vorhanden wären. Ich würde gerne Abend auch den (vom Inhalt) dicksten Wälzer einhändig in quasi jeder Position im Bett lesen können – auf das permanente Rauschen des Warp-Antriebmotors (was zum Geier ist das sonst immer für ein Hintergrundgeräusch?) verzichte ich allerdings 😉

EDIT 2007-01-05: In einer uralten Heise-Newsmeldung wird schon auf eine etwas andere Lösung zum Verleihen von E-Books hingewiesen. Bewährt hat’s sich wohl nicht (entnehme ich dieser FAQ).

Dez 282006
 

Zwei Bücherhallen in Hamburg – Poppenbüttel und Sasel – sollen geschlossen bzw. beim Einkaufszentrum Poppenbüttel zusammengelegt werden.

Am 3.12.06 berichtete netbib dazu über den Sitzstreik in Sasel und wies auf den Artikel Saseler besetzten ihre Bücherhalle im Hamburger Abendblatt hin. Zu dem Umstand der Schließung habe ich dort bereits kommentiert und auch auf einen Beitrag Wir legen uns quer: Initiative besetzt Saseler Bücherhalle der Hamburger Initiativenzeitung (HIZ) hingewiesen.

In dem Blogeintrag gab es damals auch einen interessanten Kommentar von Axel Schaper. Heute ging ein E-Mail mit Hinweis auf einen weiteren Kommentar ein.
Dort mach Herr Schaper darauf Aufmerksam, dass die Auslage der HIZ in der HÖB untersagt wurde. Als Quellen dazu nennt der die Artikel der HIZ (Hamburger Öffentlichen Bücherhallen: HAMBURGER INITIATIVENZEITUNG verboten vom 22.12.06) und der Welt (Streit über Zeitschrift: Gewerkschaft wirft Bücherhallen „Zensur“ vor vom 23.12.06).

Soweit ich das den Artikeln entnehme, ist die Haltung der HÖB (genauer wohl deren Leitung), dass es „nicht dem Stiftungsauftrag [entspreche], Parteien und Initiativen die Bücherhallen zur Verbreitung ihrer Zeitschriften zur Verfügung zu stellen“ (Welt), da damit die Neutralität in Frage gestellt sei (vgl. HIZ). Der TAZ-Artikel Initiativenzeitung in Bücherhallen verboten zitiert die Direktorin Schwemer-Martienßen folgendermaße: „Das ist bei uns so üblich, dass keine politischen Botschaften Dritter bei uns ausliegen“. Interessant auch die Aussage von Vizedirektorin Grüttner in der Welt: „Es ging bei dieser Entscheidung überhaupt nicht um Inhalte.“
Die HIZ, über deren Herausgeber Ralf Flechner, hingegen stellt fest, dass sie überparteilich sei und damit die Neutralität nicht gefährde (lt. HIZ). Außerdem weißt der HIZ-Artikel darauf hin, dass die Genehmigung zur Auslage auf dem Amtsweg erwirkt worden sei.

Die ganze Thematik erinnert mich an ein Referat zu Zensur in öffentlichen Bibliotheken vor 2-3 Semestern. Die Quelllage, eben insbesondere mit dem Schwerpunkt Bibliotheken, zu dem Thema war damals, und scheint mir immernoch, mager zu sein. Eine gute Übersicht der Möglichkeiten zur Zensur in Bibliotheken bietet der fast 30 Jahre alter Artikel In Bibliotheken: Zensur, Selbstzensur und Gesinnungsschnüffelei : Auswirkungen des 14. Strafrechtsänderungsgesetzes. Der Punkt 5 „Erschwerung der Ausleihe bzw. Ausleihbeschränkungen durch Richtlinien“ ist dabei auch heute nicht so fern der Wirklichkeit. Bei meinem Praktikum in der TUB Harburg wurde auch ein „Giftschrank“ erwähnt, wobei ich mir nicht sicher bin, ob dieser jetzt eine Reaktion auf 9/11 war (Atta studierte ja immerhin an der TUHH) oder schon vorher bestand. Soweit ich mich entsinne ist der Zugang dort auch nur bei nachgewiesenem Foschungsinteresse möglich. Solang die Quellen über den Katalog erschlossen sind, scheint mir das für bestimmte Quellen bis zu einem gewissen Grad in Ordnung zu sein, aber das „nachgewiesenem Foschungsinteresse“ könnte diesen Grad kritisch überschreiten. Soweit nur ein abschweifender Gedanke.
Nach diesem kleinen Ausreißer zurück zum Titel. Hinsichtlich der Frage, ob hier eine Zensur stattfindet, scheinen mir zwei Aussagen interessant zu sein. Zum einen wird auf die Neutralität, im Sinne des Stiftungsauftrages der HÖB, hingewiesen und zum anderen gesagt, dass es bei dieser Entscheidung überhaupt nicht um Inhalte gegangen sei.

Jetzt hatte ich den absurden Gedanken, dass es doch einfach möglich sein sollte, über die Seite der HÖB mal schnell gucken zu können, was (ob) die Satzung zu dieser Neutralität sagt – insbesondere was sie gefährdet und wie dies formal, ohne inhaltliche Bewertung möglich sein sollte. Ich finde sie dort jedenfalls nicht.

Als ich mir jetzt daraufhin mein Referat nochmal durchgelesen habe, bin ich auf den die Dokumentation des Vortrages Eine Zensur findet nicht statt… oder? (PDF) Roland Seim gestoßen (vom dem es auch ein umfassendes und sehr gutes Buch zu dem Thema gibt: Amazon). Der erste Satz unter Definition lautet dort „Der Begriff ‚Zensur‘ umfasst im Sprachgebrauch zugleich Bewertung als auch Verbot“. Obwohl es eine ganz einfacher Definitionsansatz zur Zensur ist, scheint mir damit der Satz „Es ging bei dieser Entscheidung überhaupt nicht um Inhalte.“ beinah wie der Versuch einer lehrbuchhaften Verwehrung gegen Zensurvorwürfe. Versuch weil man genaugenommen damit natürlich festlegen müsste, dass eine Bewertung nur über Inhalte stattfindet und nicht z.B. über den Herausgeber. Explizit wird aber eine Einschränkung nach eben diesen Herausgebern getroffen, wenn Frau Grüttner sagt, dass „Parteien und Initiativen die Bücherhallen zur Verbreitung ihrer Zeitschriften“ nicht offen stünden (Welt). Es ist sicher ein sehr streitbarer Punkt, ob politisch motivierte Zeitschriften per se keinen Platz in ÖB’s haben sollen um die Neutralität zu wahren, aber das lasse ich jetzt mal offen. Viel interessanter ist doch der Punkt nach Zeitschriften von Initiativen in diesem Fall.

Die Zeitschrift heißt „Hamburger Initiativenzeitschrift“ aber sie ist keine Initiative, sondern berichtet über diese. Im Redaktionsstatut findet sich folgende Aussage:

Die hiz ist eine unabhängige und überparteiliche [meine Hervorhebung] Zeitung für Politik, insbesondere in den Bereichen Umwelt, Gesundheit, Soziales und Kultur. […]
Die Zeitung bemüht sich um wahrheitsgetreue Berichterstattung; sie gibt den Beiträgen ihrer RedakteurInnen und AutorInnen aus Initiativen und Verbänden besonderes Gewicht. […]
Die Redaktion informiert die Hamburger Bürgerinitiativen, Bürgerorganisationen und -vereine, Naturschutz- und Sozialverbände, Gewerk-schaften (kurz: HH Inis) regelmäßig über geplante Erscheinungstermine und vorgesehene Themen.
Die HH Inis versorgen die Redaktion mit Berichten, Daten und Fakten, Bildmaterial über aktuelle Ereignisse, geplante Termine und anstehende Veranstaltungen aus ihrem Stadtteil, ihrem Konfliktfeld. Die Redaktion bereitet diese Informationen journalistisch auf [meine Hervorhebung] und bringt sie neben den eigenen und Hamburg weiten Themen ins Blatt.

Im Grunde ist es eine Zeitschrift, welche ihren Schwerpunkt auf Initiativen in Hamburg und deren Bekanntmachung setzt, sich dabei aber ausdrücklich journalistischen Grundsätzen verpflichtet. Die „Macher“ sind dabei, wie mir scheint, erfahrene Journalisten und keine Lobbyisten, Vertreter der mitwirkenden Initiativen oder etwas in der Richtung. Natürlich hat die Zeitschrift eine bestimmte Ausrichtung, aber die kann man auch jeder anderen Zeitschrift (tendenziell) zusprechen. Deswegen scheint mir die Aussage von Frau Schwemer-Martienßen, dass es sich hier um „politischen Botschaften Dritter“ handle in der Form etwas gewagt. Sie ergänzt in der TAZ, dass wenn die HÖB Flugschriften auslegen, alle Meinungen gleichrangig behandelt werden müssten, sie sich aber nicht dafür rechtfertigen möchte, dass dann auch rechtslastige Publikationen ausliegen könnten. Wahrscheinlich ist dieses Argument so alt wie der erste Gedanke, aber wir leben in einem Rechtsstaat in dem der Grundsatz gilt, dass keine Zensur stattfindet oder genauer: keine Vorzensur:

>“Verboten sei nur die Vorzensur als staatliches Genehmigungsverfahren, das sich auf den geistigen Inhalt eines Presse- oder Filmerzeugnisses erstrecke […]
Die Verfassung kann mit diesem kategorischen Verbot jeder Zensur nur die Vorzensur gemeint haben. Ist das Geisteswerk erst einmal an die Öffentlichkeit gelangt und vermag es Wirkung auszuüben, so gelten die allgemeinen Regeln über die Meinungs- und Pressefreiheit und ihre Schranken, wie sie sich aus Art. 5 Abs. 1 Satz 1 und 2 sowie Abs. 2 GG ergeben. Diese würden gegenstandslos, wenn das Zensurverbot auch die Nachzensur umfaßte, d. h. Kontroll- und Repressivmaßnahmen, die erst nach der Veröffentlichung eines Geisteswerkes einsetzen.“

Eine Bibliothek scheint mir aber eher nicht die Instanz um über eine Nachzensur nach verfassungsrechtlichen Grundlagen zu entscheiden. Natürlich müssen alle Meinungen gleichrangig beachtet werden – solange sie eben diesen Grundsätzen entsprechen. Gerade die Bibliothek ist doch ein „Ort der Information“, aber hört die Unterstützung der politische Meinungsbildung dann bei der Bereitstellung der 4-5 großen Tages-/Wochenzeitungen auf? Wenn die „politischen Botschaften Dritter“ nicht gewünscht sind, dann würde mich auch interessieren, wonach entschieden wird, welche Politiker mit den Bürgern innerhalb des Bibliotheksgebäudes diskutieren/vortragen dürfen – ja das gibt es auch in der Saseler Bibliothek und das ist auch gut so.

Interessant wäre noch was den der anfangs angeführte Stiftungsauftrag tatsächlich dazu sagt. Insgesamt scheint mir die ganze Argumentation wider der HIZ etwas schwammig. Nun, mal sehen, ob das Thema jetzt bald unter den Tisch fällt oder was sich daraus noch entwickelt.

Dez 272006
 

Der Artikel Wenig Interesse am Open Peer Review bei Telepolis geht darauf genauer ein. Da scheint noch eine ganze Menge Überzeugungsarbeit (oder konzeptionelle Arbeit?) geleistet werden zu müssen, wenn solche Aussagen getroffen werden:

Aus manchen Bereichen wie Biochemie, Chemie, Genetik, medizinische Forschung, Mikrobiologie oder Zoologie wurden von den Autoren keine Artikel freigegeben. Hier dürfte vielfach Angst dominiert haben, dass konkurrierende Wissenschaftler aus der Vorveröffentlichung Vorteile ziehen könnten.

Mal sehen was aus dem vom Artikel verwiesenen Open Access Wissenschaftsmagazin Plos One wird. Macken beim Laden der Seite wurden schon vorgestern bei netbib festgestellt – fast so schlimm wie auf meiner Seite. Es bleibt jedenfalls spannend…

Dez 262006
 

Bei Netzpolitik gibt es einen guten Überblick der Beiträge aus 2006.

[loser, leicht ironischer und unqualifizierter Kommentar]

Vom Rechtsstaat (10, 13 u.a.), über den Präventionsstaat zum Überwachungsstaat (Videos bei Tagesschau.de) – da drängt sich doch die Notwendigkeit eines Bibliotheksgesetzes (Thüringer Gesetzentwurf, PDF) auf, denn dort könnte man für diese Einrichtungen doch auch neben einigen unwichtigen anderen Aspekten auch eine Vorratsdatenspeicherung festlegen (genaugenommen findet die bei Ausleihen, genauer deren Historienspeicherung, ja schon teilweise statt, aber die Übermittlung an zentrale Präventionsorgane ist noch nicht etablierte Praxis).

Neben der Aufbohrung der Bibliothekssysteme (OPACs mit Folksonomy wären dabei auch eine Möglichkeit Einblicke in die Gedankenwelt potentieller Täter zu bekommen) könnten ergänzende Maßnahmen wie der bibliometrische Nutzerausweis mit RFID-gestützten Abrufmöglichkeiten – z.B. ergänzend nutzbar zur Gepäckkontrolle am Flughafen mit Filterung nach kritischen Titeln wie beispielsweise „Flugzeugfliegen für Dummies : Crashkurs in 30 Tagen“ – vor Angriffen intellektueller Tiefflieger schützen.

Sicherlich könnten Bibliotheken noch mehr Beiträge zur Sicherheit leisten, darum auch die Forderung nach einem Bibliotheksgesetz für das kommende Jahr 2007 – die Argumente dafür entsprechen doch dem Zeitgeist oder?

[/loser, leicht ironischer und unqualifizierter Kommentar]

Dez 162006
 

Einen ganz interessanten Artikel zu Taschenbüchern in Deutschland gibt es bei Deutsche Welle.

So war das also damals mit den Taschenbüchern. Da kann man ja nur noch gratulieren, zumindest wenn man sich zur Fraktion der Taschenbuchliebhaber zählt. Das tue ich – und das eher aus praktischen als aus preislichen Erwägungen heraus 🙂

Dez 162006
 

Es ist die Woche der Firefox-Erweiterungen in diesem Blog. Nachdem ich vor kurzem Gnosis entdeckt habe, gibt es noch zwei die in dem großen Bereich „Information Retrieval“ nicht ungenannt bleiben sollten. Web Search Pro nutze ich schon eine ganze Weile, das Dynamic Web Project hab ich hingegen erst vor ein paar Tagen entdeckt. In diesem Beitrag erstmal zu Web Search Pro. Zum Dynamic Web Project-Beitrag geht es hier.

Web Search Pro

(Bei www.captaincaveman.nl/ [2.5] oder bei addons.mozilla.org [nur 2.4]; Bilderstrecke bei Caveman)

Diese Erweiterung nutze ich schon eine ganze Weile und empfinde sie als sehr nützlich. Bei Erweiterungen.de ist es aber nicht zu finden und unter den gern gebloggten Top 10 FF Extension findet es sich auch quasi nie – ausnahme David Rothman, allerdings in einem anderen Blog und zu einer älteren Version. Das klassische Suchfeld von Firefox kennt wohl jeder und viele nutzen es vermutlich auch. Wer nur mit Google sucht, dem mag dieses Suchfeld reichen, aber das die „Don’t be evil“-Suchmaschine nicht immer der goldene Weg ist, sollte sich rumgesprochen haben. Die Liste dort kann man zwar beliebig erweitern über kleine Plugins, welche sich unter mycroft.mozdev.org finden. Mehr als eine große, höchstens alphabetisch sortierte, Liste von Suchmaschinen hat man dann aber noch nicht. Wer nur Google, Amazon und Wikipedia nutzt, der wird auch hier noch die Übersicht behalten, aber schön wäre es doch, wenn man einfach mehere Suchmaschinen nutzen könnte oder vielmehr zu deren Nutzung auch motiviert würde.

Web Search Pro kann das alte Suchfeld ersetzen oder ergänzen (als zweites Suchfeld, eine Variante, welche ich recht praktisch finde). In alten Versione (<2.5, welche es derzeit ausschließlich bei www.captaincaveman.nl/ gibt) gab es vorgegeben Kategorien, in der aktuellen kann man jedoch eigene erstellen. Ebenfalls neu in der aktuellen Version ist, dass man Suchmaschinen nicht mehr innerhalb der Erweiterung hinzufügt, sondern dass die Liste jetzt online (websearchpro.captaincaveman.nl/) geführt wird – im übrigen macht der Entwickler sich da eine Heidenarbeit, alle Vorschläge zu prüfen und einzpflegen. Eigene Suchmaschinen können auch direkt hinzugefügt werden, eine Mini-Anleitung gibt es dazu im Forum. Suchen kann man dann über das Suchfeld oder nach einem Rechtsklick auf ein markiertes Wort über das Kontextmenü, wobei man einzelne Suchmaschinen oder ganze Gruppen (=Kategorien) wählen kann.

Kategorien, große Liste verfügbarer Suchmaschinen und Kontextsensitive Suche – sollte das so spannend sein? Nein, denn so neu ist das nicht und das lästige Klicken bleibt (Tippen, Suchmaschine wählen, Abschicken). Im Grunde ist es wie das Startmenü bei Windows – kaum einer nutzt es, da man zu lange zum Ziel braucht. Das Kontextmenü könnte schon mehr Anklang finden, beachtet man, dass viele Windows nutzer gerne „Rechtsklick-Kopieren-Rechtsklick-Einfügen“ nutzen, allerdings ist es dafür eigentlich auch schon eine Ebene zu tief verschachtelt. Man kann nun aber auch einzelnen Suchmaschinen Shortcuts zuweisen, aber es ist fraglich, ob Nutzer das mehrheitlich tun würden (obiges Beispiel wäre „STRG+C – STRG+V). Ein netten Ansatz bietet aber die Quick Type Search (seit ver2.5), bei der sich über STRG+Q ein kleines Fenster öffnet mit allen Suchmschinen zu übersichtlicheren Auswahl – ganz optimal ist es aber noch nicht.

Nein, der Clou liegt bei Web Search Pro woanders – und zwar in den Drop Zones. Drop Zones funktionieren ganz einfach. Über die Optionen der Erweiterung kann man bis zu 16 Suchmaschinen (4×4) bestimmten Bereichen des Browserfensters zuweisen – wie das bei mir aussieht, kann man links sehen (klicken für größeres Bild). Einmal zugewiesen, aktiviert man sie, indem man ein Wort (Doppelklick) oder mehrere Worte in der aktuellen Seite markiert. Sobald man den markieren Bereich „zieht“ (das funktioniert genauso wie überall sonst auch in Windows – eine Funktion die gegenüber den anderen sogar häufig genutzt wird) erscheinen die Suchmaschinen. Jetzt muss man nur noch auf der gewünschten Suchmaschine „loslassen“ und schwupp öffnet sich ein neuer Tab – wie dies genau geschieht ist recht gut konfigurierbar. Findet sich also auf der Webseite ein unklar Begriff? Doppelklick und auf Wikipedia ziehen. Ist ein Buchtitel genannt, den man gerne haben würde? Doppelklick und auf Amazon oder den GBV (je nachdem ;)). Mal schnell mit einer anderen Suchmaschine suchen? Nun „wie“ dürfte nun klar sein, aber das einfach Konzept motiviert auch dazu mal öfter nicht auf Google zu ziehen, sondern einigen der Felder andere „Testobjekte“ zuzuweisen.

So ein langer Absatz ist beinah zuviel der Erklärung, da es wirklich sehr intuitiv ist. Der Charme dieser Lösung liegt für mich in diesem „Fluss der Aktionen“. Mittlerweile ertappe ich mich sogar dabei, dass ich an der erstbesten Stelle (irgendein Formular) meine Suchbegriffe eingebe und sie von dort ziehe – fauler Grobmotoriker :D.

Das soll es dann auch vorerst mal mit der Würdigung von Firefox-Erweiterungen gewesen sein – soviele „Information Retrieval“-Dinge bleiben aber auch nicht mehr über. Zu Usability gäbe es zwar noch ganz dringend Drag de Go (Links ziehen und damit neue Tabs – am besten im Hintergrund – öffnen. Tolle Sache um schnell x Suchmaschinenergebnisse zu öffnen) und Mouse Gestures (wir überfliegen die eben geöffneten Tabs und schließen sie mit „Rechts- und dann Linksklick“, oder gehen tiefer in der Seite und navigieren dann mit „Rechtsklick und Mausrad hoch“ schnell wieder zurück) zu empfehlen, aber für sowas gibt’s ja auch andere Blogs… 😉

Dez 162006
 

Es ist die Woche der Firefox-Erweiterungen in diesem Blog. Nachdem ich vor kurzem Gnosis entdeckt habe, gibt es noch zwei die in dem großen Bereich „Information Retrieval“ nicht ungenannt bleiben sollten. Web Search Pro nutze ich schon eine ganze Weile, das Dynamic Web Project hab ich hingegen erst vor ein paar Tagen entdeckt. In diesem Beitrag erstmal zu dem Dynamic Web Project. Zu Web Search Pro-Beitrag geht es hier.

Dynamic Web Project

(Bei addons.mozilla.org oder Projektseite des MIT Computer Science and Artificial Intelligence Laboratory)

Diese Erweiterung ist mir in ihrer Funktion bzw. Funktionsweise zunächst unklar gewesen, aber beide Quellen zusammen geben ein genauers Bild. Die Erweiterung zeigt in einer Sidebar verwandte Links zur aktuell im Browser bzw. Tab angezeigten Seite. In Prinzip funmktioniert es also ähnlich wie die Funktion „Ähnliche Seiten“ bei Google, allerdings mit dem Unterschied, dass das Ergebnis im Kontext der Seite selbst, nicht aber bei der Suche angezeigt wird. Der zweite Unterschied ist, dass (anonymisiert) registriert wird, welchen Links gefolgt wurde. Damit kann das Ergebnis stetig verbessert werden – etwas das sicher auch Google über die Links realisiert.

Wenn es also auch im Grunde nicht anderes macht als Google, so ist es doch interessant weil

  • Es ist nicht Google
  • Es funktioniert im Kontext der geöffneten Seite (bei Google müsste ich erst mit site:www.irgendwo.de die Seite suchen)
  • Es ist ein Studentenprojekt

Bei mozilla.org kommentiert ein MIT-Professor die Erweiterung:

I am a Prof. in MIT teaching computer networks. The Dynamic Web Sidebar is developed by a team of students in my class. It is an academic project with no commercial intents. The objective of the students is to use technology to improve user browsing experience. All data is anonymized and no user specific data is kept.

I have been using the Dynamic Web sidebar since November 17, 2006. Students in my research group and in my class are using it too. Also, the project got advertised in some of the MIT classes and a small but growing population is using it. I have a very positive experience with the Side-bar. A few times I was searching for material for the class I teach and the Sidebar proposed either complementary material or alternative URLs that I found useful.

Für verweisungsform.de gibt es derzeit folgende related Links:

Dynamic Web Project - FlickREs ist schon ganz spannend zu sehen, welche Seiten da auftauchen. In welcher Beziehung, abgesehen von Technorati, die Ergebnisse zur meiner Seite stehen, ist mir allerdings nicht klar. Andersrum habe ich aber eine Beziehung zu den Ergebnissen 1, 2, 5, 7 (na sowas?), 8 (9), d.h. würde ich diese Seiten nicht kenne, würde es mir immerhin Seiten anbieten, die thematisch meinen Interessen entsprechen – ist doch auch schon was.

Trotzdem bleibt die Frage, wie diese Beziehung in erster Linie ermittelt wird. Sind es jetzt Seiten, welche andere Leute (IP-Adressen, da es ja anonym ist) auch häufig ansteuern, wodurch sich eine erste Beziehung ergibt – sowas wie ein umgekehrter PageRank? Gefestigt wird diese Beziehung dann dadurch, dass von hier aus diesen Links gefolgt wird? Nun, mit Information wird man nicht erschlagen, aber das liegt wohl auch in der „Projektnatur“.

Letzlich kann man sagen, dass die Ergebnisse nicht unbedingt immer beeindrucken oder zumindest nicht klar sind, aber es liegt in der Natur der Sache (statistische Auswertung), dass erst die Masse es macht. Trotzdem macht es Spaß immer mal wieder in die Sidebar zu gucken. Wie so häufig bei solchen Dingen ist das spannende auch, zu sehen wie es sich entwickelt… 🙂