Jul 312008
 

Was ein reißerischer Titel. Der Artikel Technikärgernis Rückentext – Darum torkelt der Text auf DVD- und Buchrücken in Spiegel Online ist etwas gehaltvoller, aber auch irgendwie ganz amüsant. 50 Jahre um die richtige Richtung zu finden und dann auch noch ohne Ergebnis – schon eine Leistung. Da werden Bananen und Gurken ja schneller gerade (ok, letztere sollen ja jetzt wohl wieder krummer werden dürfen – wenn ich mich recht erinnere).

Ich denke Bücherregale sollten waagerecht zum Äquator ausgerichtet werden und die Buchrückentitel sollten von unten nach oben Verlaufen, so dass man bei linksgeneigten Haupt gegen die Erdrotation läuft und dadurch zusätzliche Zeit spart. Alternativ könnten auch Nackenmassagen in Bibliotheken und Buchläden angeboten werden.

Naja, schlecht wäre eine Richtung tatsächlich nicht, weil Regalbrowsing tatsächlich ziemlich nervig sein kann. Aber wenn es Jobs erhält, dann geht so die Welt ja auch nicht unter. :mrgreen:


DB Recovery Info (Was soll das?)

Kommentare Original: 4

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Sonstiges: Original hatte Umfrage.

Jul 302008
 

Spiele in Bibliotheken scheinen mittlerweile kein Randthema mehr zu sein. Der MBI-Blog weist heute auf eine Studie über die Nutzung von Spielen in amerikanischen Bibliotheken hin: Spiele und Bibliothek: ein Blick in die USA. Nachdem vor kurzem Google Knol an den Start ging, musste ich da natürlich auch mal nach “library”/”libraries” suchen. Der einzige relevante Treffer hat den Titel “Getting Serious About Games In Libraries“.

Man muss aber gar nicht mal so weit über den Teich blicken, denn hier in Deutschland tut sich da ja auch schon einiges. Während meines Kurzpraktikums bei der HÖB gab es in der Jugendbibliothek(HOEB4U)  eine Vorstellung der verschiedenen Konsolen und eine Bewertung der Sinnhaftigkeit ihrer Anschaffung. Das war schon sehr amüsant als ein ganzer Haufen Bibliothekare vor der Wii boxte und bowlte. Die Wii erhielt auch die wärmste Empfehlung zur Anschaffung, sofern ein Einstieg in dieses Segement prinzipiell geplant wäre. In der kurzen Zeit seit April hat sich auch schon etwas getan. In einigen HÖB-Zweigstellen, unter anderem auch in meiner Praktikumsbibliothek Alstertal, sind Kinder aufgerufen Spiele zu testen (HÖB-News dazu) und den Gewinner des Tommi Kindersoftwarepreises zu ermitteln. Auf der Seite befinden sich auch Vorstellungen und Interviews mit den teilnehmenden Bibliotheken (auch Alstertal).

Ich bin mir aber nicht wirklich sicher, was ich von (~elektronischen!) Spielen in Bibliotheken halten soll. Ich gestehe, dass mich persönlich Konsolen bisher nicht angesprochen haben. Bisher, denn seit ich nun junge wie ältere Bibliothekare, meine Schwester (keine Spielerin ansonsten) und Kinder und nun am Wochende 20 Leute vor der Wii “wettstreiten” gesehen (und mitgemacht) habe, hat mich deren Konzept nun doch überzeugt (so wie von Nintendo ja auch die Zielgruppe definiert ist) und seit gestern steht so ein Ding unter der Glotze (womit diese auch mal wieder sinnvoll genutzt werden kann, wenn das Fernsehprogramm nicht mehr zum Einschalten animiert). Das Ding hat tatsächlich einen hohen Geselligkeitsfaktor – drei Freunde konnten sich gestern erst um 4:30 loseisen und Nichte und Neffe (6 Jahre) haben mich heut dann beim Boxen mit exzessivem Ganzkörpereinsatz um den Fernseher bangen lassen.

Bin ich jetzt abgeschwiffen? Ich denke nicht, denn ich kann mich durchaus für eine Konsole begeistern, habe also keine prinzipielle Ablehnung (die schlimmste Art der Auseinandersetzung? :-) ). Ich habe mich neulich auch (eher zufällig) mit einer Kommilitonin darüber unterhalten. Ehrlich gesagt wundert es mich immer ein wenig, dass Spiele immer (?) entweder als ein “Lockangebot” verstanden werden, um dann aber auch die “eigentlichen” Angebote der Bibliothek in den Fokus rücken zu können, d.h. insbesondere die Zielgruppe “bibldungsferner Schichten” mit einzubeziehen, oder dass die Bibliothek gleich zu einem “Kommuikationszentrum” erklärt wird, wo man sich trifft und unterhält. Nun, scheinen mir beides ehrbare  Ziele, aber ich bezweifel doch sehr, dass einer, der wegen der Spiele (günstig – obwohl, visiert man die erste Zielgruppe an, dann ist es beinah zynisch, wenn der Benutzerausweis mit Option auf Spiele teuer wird – und relativ zur Videothek lang entleihbar) kommt, sich tatsächlich noch mal Serendipity-mäßig ein Buch schnappt. Das “Kommunikationszentrum” scheint mir – zunächst zumindest – hingegen verfehlt, weil bei mir die Beschreibung eher die Vorstellung von einem klassischen Jugendzentrum weckt (mit entsprechenden Räumlichkeiten und eigenen Kompetenzen, die auch ggf. eine gewisse Betreuung umfasst).

Ok, diese Zeifel mal beiseite gelassen und ganz frei heraus. Mir scheint (!) es, als ob Spiele für die Bibliotheken auch eine gute Möglichkeit sind Ausleih- und Besucherzahlen zu steigern, die wiederum argumentativ gut bei den Geldgebern (Kommunen etc.) deren Unterstützung sichern. Auf der anderen Seite läuft man aber Gefahr den primären Auftrag der Bibliotheken zu unterwandern und sich selber in letzter Konsequenz wieder in Argumentationsnot zu bringen, wenn man seinen primären Auftrag als die Umsetzung des freien und unbeschränkten Zugang zu Informationen für alle definiert, auf der anderen Seite aber einen nicht unerheblichen Teil des Etats für etwas aufwendet, dass _dieses_ Ziel nicht unterstützt. Ich würde nicht sagen, dass das alles sein sollte – Menschen zusammenbringen im weitesten Sinne, ist durchaus ein sinvolles Ziel, aber insbesondere elektronische Spiele (und die sind eigentlich ausnahmslos teuer) scheinen kostenseitig in dieser Hinsicht ein ziemliches Ungleichgewicht zu erzeugen. Anders ausgedrückt: Mir scheint es einfacher Dinge wie einen kostenlosen Benutzerausweis für alle, Bibliotheksgesetz(e) und den Aufbau neuer (statt den Abbau alter) Bibliotheken zu fordern, wenn sie an ein Grundrecht auf Information geknüpft werden, den Begriff “Information” dabei aber nicht zu sehr aufweichen. Spiele sind aber zunächst Unterhaltung (bei elektronischen Spielen nicht selten auch reine Alleinunterhaltung) für die klassischerweise andere Einrichtungen (sinnvoll?) zuständig sind – und wenn es nicht (teure, dadurch wiederum Gruppen ausschließende) Videotheken sein sollen, dann vielleicht eben Jugendzentren.

Hmm, irgendwie scheint mir diese (meine) Sich etwas verbohrt oder “träumerisch”. Sie ist auch eher aus dem Bauch heraus (kein Ergebnis tiefgreifender Auseinandersetzung mit dem Thema), aber das darf ja mal in einem Blog. Die Ironie ist, dass ich z.T. aus der Einstellung heraus “Ein Buch das es wert ist gelesen zu werden, ist es auch wert besessen zu werden” (solang ich es mir leisten kann) und zum anderen, weil die Amazon-Paketübrbringer wahrscheinlich alle die Vornamen der Familie kennen, ich selber nahezu nie die öffentliche Bibliothek nutze (aber Gebühren bezahle). Achso, Ironie, jetzt mit der Wii find ich eine einwöchige Ausleihfrist durchaus sehr attraktiv – zum Testen der Spiele, bevor ich sie teuer kaufe. Andererseits sprengen die Vormerklisten hier wahrscheinlich bei allen Titeln die Limits.

Nunja, wären deutsche Bibliotheken reich, somit Prioritätensetzungen wegen knapper Mittel unnötig, dann schiene es mir ziemlich diskussionsunwürdig – im Grunde spricht ja nichts dagegen ( für “Dogmatiker” vielleicht schon) , dass jeder Wunsch erfüllt wird und auch Sekundär- oder Tertiärziele verfolgt werden.