Dezember 2006

Monthly Archive

The eDonkey Librarian

Bei The Daily WTF – Curious Perversion in Information Technology wird in der Virtudyne Saga sehr amüsant beschrieben, wie die Idee, das perfekte Konkurrenzprodukt zu MS Office zu schaffen, vor die Wand gefahren wird und dreistellige Millionebeträge sich dabei verflüchtigen. Nach x Jahren wurde das einzige Geschäft mit der Stadt abgewickelt, welche es in ihren Bibliotheken nutzen wollte, später aber auch wegen der Mängel vom Vertrag zurücktritt.

Es läuft also nicht gut und im Teil IV der Sage The Digital Donkey kommt das Sales Team dann auf die geniale Idee eine portable Version für Indien mit all seinen kleinen Dörfern zu entwickeln. Erreicht werden sollen diese mit einem digitalen Esel, ausgerüstet mit PC, Satelitenschüssel fürs Internet und was man noch so für die globale officegestütze Kommunikation im 200-Seelen Dorf benötigt. Zahlen sollten schließlich die Kommunen vor Ort.

Nationalbibliothek per Gesetz deutscher Big Brother

Das ist mal ein eine Schlagzeile, welche Bild Konkurrenz machen könnte. Sie stammt aber nicht von mir, sondern fiel mir heute in einer Signatur eines Moderators im Winhelpline-Forum auf (ich bin dort seit fast sechs Jahren als Moderator dabei). Genaugenommen lautet sie mit entsprechendem Link Nationalbibliothek per Gesetz deutscher BigBrother (Gesetzestext, siehe §§ 2, 3, 14 + 15!).

Ich muss gestehen, dass ich erst mal verblüft war – hatte ich etwas ganz essentielles verpasst? Bei der Durchsicht der Paragraphen erschienen sie mir eigentlich nicht besonders die Privatsphäre kompromittierenden. Also hab ich mal geguckt, ob ein entsprechender Beitrag existiert und fand diesen dann unter dem Betreff Gesetz beschlossen und keiner hat’s gemerkt – oder doch? Ich war doch erstaunt, wie sehr das DNB-Gesetz misinterpretiert werden kann. Außerdem klingen auch einige andere grundsätzliche Mißverständnisse bezüglich Bibliotheken an (z.B.: Ist der Inhalt des Gesetzes wirklich so neu? Kostet die Ausleihe?). Obwohl es ja schon reichlich spät war, konnte ich das so ja nicht stehen lassen – Bibliotheken haben ja vielleicht ihre… “planungstechnischen” (?) Probleme, aber sie ist eine Institution, welche auch (oder insbesondere) eine wichtige Funktion in einer demokratischen Gesellschaft erfüllt – wohl kaum jemals ein Big Brother. Meine Antwort ist in obigem Link auf den Beitrag im Forum zu finden oder in diesem Blogeintrag (bereinigt von meinem ausuferndem Zwang Smileys zu verwenden).

e-Books – teure Lesegeräte und Tollhaus der Formate

Ich oute mich hiermit als Star Trek Fan – allerdings mehr oder weniger ausschließlich Next Generation. Die Macher haben wohl gerne auch mal in Zeitschriften wie Nature und Science geblättert und sind dabei über solche Ideen wie der Raumkrümmung (Warp-Antrieb), Quantencomputer (Miss Bordcomputer) oder in den Raum projezierte Hologramme (Holodeck) gestolpert. Auch die Idee des Beamens fand wohl jeder irgendwie ganz lustig, wenn auch vernünftig betrachtet fern der Realität. Persönlich fand ich aber auch immer diese kleinen “eBook-Reader” (hatten die nen Namen) mit den Captain Picard nach einem harten Tag voller Raum-Zeit-Anomalien und “Resistance is futile, you will be assimilated”-Männchen ins Bett ging.

Mittlerweile hat der Raum nicht allzu stringente 11 Dimensionen (mal mehr oder weniger), der Quantencomputer ist ein Thema in der C’t und Holodecks sind so absurd auch nicht mehr. Selbst beamen über die Donau ist möglich – solang nicht nur die Anwesenheit in Form von Quantenzuständen bei der Arbeit gefordert ist, sollte man die Bahn dennoch nicht verpassen.

Barrierefreiheit – Video von Neues online

Über Infobib.de bin ich gerade auf das Video zur Barrierefreiheit aufmerksam geworden. Es gibt auch noch einen Artikel von der Onlineredaktion von Neues.

Keine Initiativenzeitschrift – Zensur in Hamburger ÖB (Sasel)?

Zwei Bücherhallen in Hamburg – Poppenbüttel und Sasel – sollen geschlossen bzw. beim Einkaufszentrum Poppenbüttel zusammengelegt werden.

Am 3.12.06 berichtete netbib dazu über den Sitzstreik in Sasel und wies auf den Artikel Saseler besetzten ihre Bücherhalle im Hamburger Abendblatt hin. Zu dem Umstand der Schließung habe ich dort bereits kommentiert und auch auf einen Beitrag Wir legen uns quer: Initiative besetzt Saseler Bücherhalle der Hamburger Initiativenzeitung (HIZ) hingewiesen.

In dem Blogeintrag gab es damals auch einen interessanten Kommentar von Axel Schaper. Heute ging ein E-Mail mit Hinweis auf einen weiteren Kommentar ein.
Dort mach Herr Schaper darauf Aufmerksam, dass die Auslage der HIZ in der HÖB untersagt wurde. Als Quellen dazu nennt der die Artikel der HIZ (Hamburger Öffentlichen Bücherhallen: HAMBURGER INITIATIVENZEITUNG verboten vom 22.12.06) und der Welt (Streit über Zeitschrift: Gewerkschaft wirft Bücherhallen “Zensur” vor vom 23.12.06).

Nature beendet Open Peer Review-Experiment

Der Artikel Wenig Interesse am Open Peer Review bei Telepolis geht darauf genauer ein. Da scheint noch eine ganze Menge Überzeugungsarbeit (oder konzeptionelle Arbeit?) geleistet werden zu müssen, wenn solche Aussagen getroffen werden:

Aus manchen Bereichen wie Biochemie, Chemie, Genetik, medizinische Forschung, Mikrobiologie oder Zoologie wurden von den Autoren keine Artikel freigegeben. Hier dürfte vielfach Angst dominiert haben, dass konkurrierende Wissenschaftler aus der Vorveröffentlichung Vorteile ziehen könnten.

Mal sehen was aus dem vom Artikel verwiesenen Open Access Wissenschaftsmagazin Plos One wird. Macken beim Laden der Seite wurden schon vorgestern bei netbib festgestellt – fast so schlimm wie auf meiner Seite. Es bleibt jedenfalls spannend…

Jahresrückblick bei Netzpolitik

Bei Netzpolitik gibt es einen guten Überblick der Beiträge aus 2006.

[loser, leicht ironischer und unqualifizierter Kommentar]

Vom Rechtsstaat (10, 13 u.a.), über den Präventionsstaat zum Überwachungsstaat (Videos bei Tagesschau.de) – da drängt sich doch die Notwendigkeit eines Bibliotheksgesetzes (Thüringer Gesetzentwurf, PDF) auf, denn dort könnte man für diese Einrichtungen doch auch neben einigen unwichtigen anderen Aspekten auch eine Vorratsdatenspeicherung festlegen (genaugenommen findet die bei Ausleihen, genauer deren Historienspeicherung, ja schon teilweise statt, aber die Übermittlung an zentrale Präventionsorgane ist noch nicht etablierte Praxis).

Neben der Aufbohrung der Bibliothekssysteme (OPACs mit Folksonomy wären dabei auch eine Möglichkeit Einblicke in die Gedankenwelt potentieller Täter zu bekommen) könnten ergänzende Maßnahmen wie der bibliometrische Nutzerausweis mit RFID-gestützten Abrufmöglichkeiten – z.B. ergänzend nutzbar zur Gepäckkontrolle am Flughafen mit Filterung nach kritischen Titeln wie beispielsweise “Flugzeugfliegen für Dummies : Crashkurs in 30 Tagen” – vor Angriffen intellektueller Tiefflieger schützen.

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